Alphagene 2

Kollegah - Alphagene 2

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Kollegah besinnt sich mit "Alphagene 2" auf alte Stärken. Ist damit alles vergeben und vergessen?

Alphagene – Das Original

"Alphagene" erschien vor zwölf Jahren über Selfmade Records. Nach gefeierten Mixtapes und einem erfolgreichen Run auf der Online-Battle-Plattform RBA schoss das Album auf den 51. Platz der Charts. Für damalige Verhältnis ein gigantischer Erfolg, zumal Kollegah bei einem Independent Label unter Vertrag stand. Bis heute verkaufte sich die Platte über 20.000 Mal.

Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Verschwörungstheorien und ein sektenähnliches Mentorenprogramm – die Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren an Kollegah abgearbeitet. "Ich geb mich nie geschlagen / Amüsier mich über meine eigenen Medienskandale in meinem Ferienapartment", behauptet der 35-Jährige in "Wolfsblut". "Alphagene 2" soll das Gefühl der Anfangstage heraufbeschwören.

Auf seinem achten Soloalbum zeigt sich Kollegah kein bisschen einsichtig. Im Gegenteil, der selbsternannte Boss der Bosse hält an seinem Weg fest, der mit Macher-Rhetorik und Breitschultrigkeit gepflastert ist. Verräter werden denunziert und Gegner vernichtet. Der Rapper zählt selbstbewusst Erfolge auf und lässt dabei immer wieder durchblicken, dass das auch der Hörerschaft gelingen kann – wenn sie sich das "Alphatier" zum Vorbild nimmt.

Video: Der König ist tot... lang lebe der König

Musikalisch fühlt sich "Alphagene 2" wie Etikettenschwindel an. Abgesehen von einzelnen Anspielungen erinnert wenig an den Vorgänger von 2007. Kollegah hätte die Platte ebenso "King 2" oder "Imperator 2" nennen können. Der Rapper nutzt das bewährte Erfolgsrezept. Episch klingen die Beats, die Kollegahs markanter Stimme mit Streichern, Chorälen und druckvollen Drums die passende Unterlage bieten.

Dazu spuckt der Rapper Punchlines in beeindruckender Dichte und moralisch bedenklicher Wortwahl. 14 Jahre nach dem ersten "Zuhältertape" haben die Metaphern und Vergleiche allerdings an Reiz verloren. Auch mit seinen Doubletime-Passagen sticht Kollegah nicht mehr aus dem riesigen Deutschrap-Angebot heraus. Der überflüssige Autotune-Einsatz auf Stücken wie "Valhalla" und "Trinität" zeigt zudem, dass sich auch Kollegah am Sound der Stunde anbiedert.

Fast 80 Minuten feuert der Rapper mit nahezu monothematischen Textlawinen auf seine Hörerschaft. Wem das in den letzten zehn Jahren nicht langweilig geworden ist, wird mit "Alphagene 2" Freude haben. Ein Kollegah, der mit der Unschuld und Frische seiner Anfangsjahre rappt, ist auf dieser Platte trotzdem nicht zu hören.

Video: Der Boss is back (auf der Street)

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