KIOX

Kummer - KIOX

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Auf Solopfaden macht der Kraftklub-Frontmann Felix Brummer vieles ganz anders als mit seiner Band.

In Chemnitz zählt der Künstler Jan Kummer zu den kulturellen Lichtgestalten. Schon vor der Wende betrieb er einen Plattenladen, den er in den Neunzigern aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste. Der Name des Geschäfts lautete "KIOX" und Jan Kummer ist niemand geringeres als der Vater von Kraftklub-Frontmann Felix Brummer.

Für sein Soloprojekt nimmt Brummer nicht nur den Familiennamen an, mit einer einzigartigen Promo-Idee lässt er zudem die Familiengeschichte wiederaufleben. Denn am Release-Wochenende seiner Debütplatte "KIOX" öffnet der 30-Jährige erneut die Pforten zum Laden seines Vaters. Vom 11. bis 13. Oktober können Fans nur dort ein physisches Exemplar des Albums kaufen.

Video: Kummer – Der Laden ist fertig!

"Das ist nicht die Musik, die du suchst / Nicht die Musik, die du brauchst / Weder Rap über Businessmoves / Noch Motivation, kein 'Steh wieder auf'", lauten die ersten Zeilen auf "KIOX". Kummer spielt das aktuelle Rap-Game nicht mit. Zu betonen, dass er nicht "Modus Mio" bedienen will, hat vermutlich weniger mit den Erwartungen der anderen und mehr mit dem Umgang des eigenen Erfolgsdrucks zu tun.

Kummer nutzt die Möglichkeiten, die ihm das Arbeiten ohne Band gibt. Mit Computer-Bässen, "Stranger Things"-Synthies und einem Autotune-Ausflug verdeutlicht er unmissverständlich, dass er auch mit einem Dauerabo für die Bühnen der größten Rock-Festivals ein Hip-Hopper ist. Doch trotz der neuen Spielwiese, die ihm "KIOX" bietet, besticht die Platte nicht durch musikalischen Ideenreichtum.

Kummers leicht staubige Flows verändern sich höchsten in der Wucht des Stimmeinsatzes. Wie so etwas heutzutage klingen kann, beweist hingegen KeKe in einem Gastvers auf "Aber nein". Die Stärken des Chemnitzers liegen stattdessen im Songwriting, weshalb sich im Laufe der 37 Minuten auch ein Themensong an den nächsten reiht.

Video: Kummer – 9010

Mit komplizierten Beobachtungen, die er in einfachen Worten zusammenfasst, erhebt Kummer seine Texte zu kleinen Meisterstücken. In der Single-Auskopplung "9010" erzählt er von einem früheren Nazi-Bully, der am sozialen Abgrund angekommen ist. Statt Schadenfreude zeigt Kummer Mitleid.

Auch in "Schiff" lassen ihn die gesellschaftlichen Probleme in seiner Heimat nicht los. Darin zieht er ein rostiges Boot als Metapher für Ostdeutschland heran. Dass er selbst in diesem Boot sitzt, gibt dem Thema in Zeiten des so unfairen wie dummen "Ossi-Bashings" eine erfrischende Perspektive.

Dennoch fällt "KIOX" durch verschenktes Potenzial auf. Der Kehrvers von Max Raabe auf "Der Rest meines Lebens" klingt wie ein Vocal-Sample und nicht wie ein vollwertiges Feature. Grämen muss sich Kummer trotzdem nicht. Ungeachtet einiger Abstriche zündet die künstlerische Vision. Zudem unterscheidet sich die Platte deutlich von seiner Hauptband, ohne dabei abzustinken. Ein größeres Kompliment kann es für ein Soloprojekt kaum geben.

Video: Kummer – Wie viel ist dein Outfit wert

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