Ladytron

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Album der Woche
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Über sieben Jahre lang hörte man nichts von der aparten Art-Synthpop-Band Ladytron: Mit ihrem neuen selbstbenannten Album machen sie aus der langen Pause einen Augenblick, denn die vier klingen frischer und freier denn je.

Mit dem peitschenden Opener "Until The Fire" nimmt einen der typische Ladytron-Sound, der zwischen warmem Gesang und kühlem Synthiepop schillert, sofort wieder gefangen, um mit der ersten Single "The Island" die unwiderstehliche Bitter-Süße der Band endgültig die Catchiness-Falle aufzustellen, in die man sich nur allzu gerne fallen lässt.

Und mit dem eindringlichen Gesang Helen Marnies, den gespenstischen Lyrics und den strahlenden Synths wird der Song zudem zum Soundtrack zur Zeit, wenn es darin heißt: "Poisoned paradigm / We are savages / Faith, lust, desire / We are sirens oft he apocalypse".

Video: The Island

Dass eine Band, die zwar zu den unterschätztesten, aber dennoch wichtigsten Innovatoren des Electropops gehört, dieses Album per Crowdfunding finanzierte, weil sie aktuell über kein Label verfügte, zeigt einiges über den aktuellen Musikmarkt.

Wie dem auch sei, "Ladytron" wurde durch die Fans ermöglicht und sie werden belohnt mit 13 Songs, die schillernd und scharf zugleich, den Synthpop sezieren: Mal klinisch rein, dann wieder knarzend technoid oder auch wärmend retrohaft – Ladytrons Sound oszilliert stets zwischen minimalistischen Strukturen und maximaler Umarmung des Hörers.

Video: The Animals

Besonders spannend wird es dann, wenn Helen Marnies und Mira Aroyos Stimmen in einem Song aufeinandertreffen oder wenn Ladytron wie in "The Animals" auf einer scheinbaren Ballade einen schwindlig machenden Gesang legen. Zuweilen klingt die Band dann wie eine musikalisch faszinierende Mischung aus ABBA, Human League und M83 mit hochpolitischem Gesang, denn Zeilen wie

"There’s no law. There’s no God. There’s no harm. There’s no love. We are more like you, than the ones you knew"

zielen gegen Populismus und Vorurteile gegen Minderheiten. Und spätestens dann weiß man, was man sieben Jahre lang vermisst hat und in diesem Augenblick des Hörens zurückbekommt: Cleverer Pop, der schneidend kalt ist und herzerwärmend catchy zugleich.

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