Everything You've Come To Expect

Everything You've Come To Expect

The Last Shadow Puppets

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Wie klingt eine Kreuzung aus Arctic Monkeys und The Rascals? Keine Ahnung. Aber wir wissen jetzt, wie Roy Orbison heute klänge: so! Die Shadow Puppets haben ihre mehr (Turner) oder weniger (Kane) erfolgreichen Bands in die Ferien geschickt und liefern mit ihrer Sammlung aus großen Pop-Referenzen eines der stilsichersten Alben ab, das wir in diesem Jahr hören werden.

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Jeder hat wohl so einen Karton mit der wichtigen Aufschrift „NICHT wegwerfen!“ im Keller stehen, der bei jedem Umzug einmal geöffnet, durchwühlt und wieder zugeklebt wird, nur um dann im nächsten Keller zu stehen. Nach Jahren der Funkstille hatte man Angst, die Pläne zu einer Fortsetzung der Shadow Puppets seien in einem solchen Karton gelandet. Es wäre nicht das erste Nebenprojekt eines Musikers, das den Weg alles Irdischen geht weil der Erfolg der Hauptband einfach zu wenig Zeit lässt.

Doch um einfach so im Nirwana zu enden war „The Age Of The Understatement“ zu erfolgreich, die Shows zu umjubelt und das Konzept hinter allem einfach zu gut. Daran haben sich wohl auch Alex Turner und Miles Kane irgendwann erinnert und im legendären Shangri-La Studio in Malibu nach 8 Jahren endlich ein neues Album aufgenommen.

Mit Understatement haben die Herren heute allerdings nicht mehr allzu viel im Sinn. Auf „Everything You’ve Come To Expect“ ist alles eine Nummer größer, aus den blassen britischen Lads wurden über die Jahre geschniegelte Partylöwen, das London der 60s wurde allem Anschein nach gegen das Monte Carlo der 70s getauscht.

Selbstredend beschränkt sich die Veränderung nicht nur auf die Optik, auch wenn die Wandlung des Sounds nicht ganz so breitbeinig daher kommt. Die Liebe zu Scott Walker und Burt Bacharach ist natürlich weiterhin allgegenwärtig, doch das gestählte Ego erlaubt deutlich mehr Freiheiten: Todd Rundgren und Roy Orbison haben es sich in den Songs gemütlich gemacht, gleiches gilt für Curt Boettcher und die späten Byrds. „Bad Habits“ wäre auf dem Debüt noch undenkbar gewesen.
 

Als Schnellschuss kann man "Everything You've Come To Expect" nun wirklich nicht bezeichnen und möglicherweise ist es der Abstand zum ersten Album, der dieses zweite so gut macht. Vielleicht war es auch die überaus sinnvolle Entscheidung, aufs gleiche Pferd zu setzen: James Ford als Produzent und vor allem Owen Pallett als Arrangeur kann man gar nicht genug auf die Schultern klopfen. Mehr Magie schaffen nicht mal Siegfried & Roy.

Möglicherweise, und das ist reine Theorie, liegt das Geheimnis aber auch einfach in der unfassbar entspannten Grundhaltung, mit der Turner und Kane hier ans Werk gehen und mit jedem Ton zu sagen scheinen: wir müssen nichts beweisen. Der Mehrwert der Shadow Puppets neben dem regulären musikalischen Schaffen der beiden liegt ebenso offen auf der Hand wie ihre Brillanz als Songschreiber und Performer. Wer es nicht glaubt, hört mal eben in „Pattern“ rein: für diesen zuckersüßen, perfekten Refrain würden 9 von 10 Bands ihre Seele verkaufen.

Ich will niemanden hetzen. Aber ich freue mich schon auf Album Nummer drei.

 

The Last Shadow Puppets LIVE:

27.6. Köln / E-Werk
28.6. Dresden / Alter Schlachthof
23.8. Berlin / Columbiahalle

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