Circles
Album der Woche

Mac Miller - Circles

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Mit "Circles" erscheint das erste und letzte Album nach Mac Millers Tod. Ohne Taschentücher übersteht kein Fan diese herzzereißende Platte.

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"Dies ist ein komplizierter Prozess, auf den es keine richtige Antwort gibt. Keinen klaren Weg. Wir wissen einfach, dass es für Malcolm wichtig war, dass die Welt es hört", schrieb Mac Millers Familie in einem Statement zur Veröffentlichung. "Circles" ist sein sechstes und letztes Studioalbum – zumindest versprechen das die Angehörigen des 2018 verstorbenen Rappers.

Nach journalistischen Maßstäben lässt sich "Circles" kaum bewerten. Zu emotional aufgeladen ist die Musik. Alles erhält durch Mac Millers tragischen Tod eine zweite Ebene. "You're feeling sorry, I'm feeling fine / Don't you put any more stress on yourself, it's one day at a time", singt Miller im Titelstück. "Circles" zu hören, fühlt sich so schön wie traurig an. Einige Fans wollen in "I Can See" sogar Harmonien heraushören, die Ex-Freundin Ariana Grande singt.

Momente wie diese finden sich auf "Circles" zuhauf. "Some people say they want to live forever", stellt Miller in "Complicated" fest und gibt wenige Takte später seine Sichtweise preis: "Well, I'm way too young to be getting old." Mit dieser Zeile stoppt das Lied abrupt. Ob das Stück so enden würde, wäre Mac Miller noch am Leben, ist fraglich. Letztlich ist es aber auch egal.

Video: Mac Miller – Good News

Posthum veröffentlichte Alben sind eine Gratwanderung. "Circles" fühlt sich jedoch wie eine würdige Mac-Miller-Platte an. Seine Familie bezeichnet es als Schwesteralbum zum 2018 erschienenen "Swimming". Bis zu seinem Tod arbeitete Miller an den Songs. Jon Brion, der bereits in die Produktion des Vorgängers involviert war, stellte die Stücke im Auftrag der Angehörigen fertig.

Dass die Musik nach Mac Millers Vorstellungen vollendet wurde, beweisen die vielen Leaks der letzten Jahre. In einem YouTube-Video, das so schnell verschwand, wie es auftauchte, saß Miller an einem Klavier und sang "Once A Day". Die fertige Version klingt zwar polierter als die rohe Pianoballade von einst, ist aber nicht weniger berührend.

Im Laufe seiner Karriere entwickelte sich Mac Miller vom Boom-bap-Kiddie zum Crooner mit Jazz- und Soul-Ambitionen. Auf "Circles" führt er die Transformation zum Sänger fort. Brüchig und voller Emotionen – zwar bleibt das Volumen begrenzt, doch die Klangfarbe seiner Stimme ist einmalig. Rap nimmt als eines von vielen Werkzeugen nur noch eine untergeordnete Rolle ein.

Miller flirtet mit unterschiedlichen Genres und Sound-Elementen. "Surf" ist Gitarren-Pop mit Classic-Rock-Einschlag, in "I Can See" nutzt er Synthesizer, die auch Wendy Carlos für ihren Soundtrack zu "A Clockwork Orange" verwendet hätte und "Everybody" ist ein schlichtweg wunderschönes Cover von Arthur Lees "Everybody's Gotta Live". Die Wärme der Live-Instrumentierung durchströmt die komplette Platte.

Mit "Circles" verabschiedet sich Mac Miller von der Welt. Dass es sich dabei um das letzte Werk dieses Ausnahmekünstlers handeln soll, müssen Fans erst einmal verdauen. "Circles" lässt erahnen, welche Genre-sprengenden Visionen Mac Miller noch gehabt hätte. Ruhe in Frieden!

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