Madonna - Rebel Heart

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Nach dem Leak von 13 Demos (inzwischen sind es noch einige mehr) entschied sich Madonna in einer - laut der Version von Langzeitmanager Guy Oseary - Last-Minute-Aktion dazu, den Release von "Rebel Heart" vorzuziehen. Jetzt ist ihr neues Album auch offiziell erschienen.

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Zyniker werden in der Sache nur einen weiteren schmerzhaften Beweis dafür sehen, dass die Queen of Pop im 21. Jahrhundert eben nicht mehr regiert, nur noch reagiert. Fans der illustren Dame dagegen dürften erleichtert aufatmen, denn: Nachdem bekannt wurde, dass unter anderem die EDM-Superstars Avicii und Diplo an dem - wie man jetzt weiß - "Rebel Heart" betitelten Projekt beteiligt sind, befürchtete man Schlimmstes (lies: ein zweites "MDNA"), doch die sechs Instant-Tracks lassen hoffen.

Die offizielle Lead-Single "Living For Love" überzeugt durch 90s-gefärbten New York House und den christlich-hymnischen Choral-Einschlag, zu dem Madonna trotz allen Genre-Hoppings immer wieder gerne zurückkehrt ("Like A Prayer", "Nothing Fails") und der ihr immer gut stand - und nach athletischen Verrenkungen im knappen Sport-Dress im noch zu drehenden Begleitvideo klingt das auch eher nicht.

Auch sonst scheint sich Madonna - von dem zweifelhaften "Bitch I'm Madonna" im Duett mit ihrem Lieblings-Rap-Sidekick Nicki Minaj und dem thematisch etwas schal wirkenden, Kanye-West-co-produzierten "Illuminati" mal abgesehen - in erster Linie wieder auf ihre Stärken zu besinnen: Die plakative Drogen-Lyrik von "Devil Pray" wird wettgemacht durch den klanglichen Rückgriff auf die Mischung aus Elektronik und Akustikgitarre, die die 56-Jährige einst mit Mirwais für "American Life" entworfen hatte.

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"Ghosttown" ist - sofern man keine Angst vor lupenreinem Pop mit hohem Kitschfaktor hat - eine eingängig-unprätentiöse Midtempo-Ballade, und "Unapologetic Bitch" (nach entsprechender Hashtag-Bewerbung via Instagram lange Zeit der vermutete Albumtitel) entpuppt sich als Madonnas erster Reggae-Track, für dessen Strophen sich die experimentierfreudige Pop-Diva ungewohnt zaghaft an der nach dem viralen Hit "Versace" als Migos-Flow bekannt gewordenen Variante des Sprechgesangs versucht - nur leider ebenfalls nicht als Erste auf dem Bandwaggon.

Das kommerzielle Klima ist 2015 kälter denn je. Ein großer Name alleine reicht längst nicht mehr aus (das haben schon im letzten Jahr zahlreiche etablierte Popstars von Britney Spears bis Mariah Carey bewiesen) und die neuen Songs empfehlen Madonna nicht mehr unbedingt als Trendsetterin - eine Tatsache, über die selbst das bis zur Perfektion retuschierte Albumcover nicht hinwegtäuschen kann, zu dem sie von Sebastien Tellier inspiriert wurde.

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