Lativ

Lativ

Massiv

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Massiv verschmilzt mit seiner Rolle aus "4 Blocks". "Lativ" unterstreicht, was ihn als Rapper auszeichnet.

"Aus Wasiem wurde Massiv, aus Massiv wurde Lativ." So lauten die ersten Worte auf dem 14. Soloalbum des Berliner Rappers. Die Rolle in der deutschen Gang-Saga "4 Blocks" hat ihm nicht nur mediale Aufmerksamkeit eingebracht, sondern offensichtlich auch Inspiration. Auf "Lativ" inszeniert sich Massiv als Respektsperson am Block. Einmal Hamadi, immer Hamadi – die Grenzen zwischen Musik und Berliner Unterwelt verschwimmen nicht nur bei Bushido.

Doch aus der unüberschaubaren Masse an Straßen-Rappern sticht Massiv seit "Ghetto Lied" von 2006 hervor. Gesegnet mit einer voluminösen Stimme und einem dazu passend groben Flow, schreckt er vor keinem noch so pompösen Beat zurück. "Betonmischer" eröffnet "Lativ" mit Chorälen und einer harten Kick-Snare-Klatsche. In "PSHT" brummt der Bass wie ein Magen, der seit zwei Wochen hungert. Die Workout-Playlist erhält neues Futter.

Video: Massiv – Lativ

Mit dieser Erbarmungslosigkeit nähert sich Massiv auch seinen Texten. Der 37-Jährige verzichtet auf Schimpfworte, nutzt aber eine einfache Sprache: "Ich fahre unendlich weit nach oben wie mit einem Lift." Seine Technik beeindruckt nicht immer. Doch der Rapper nimmt seinen Kritikern den Wind aus den Segeln: "Und seit wann macht dich ein Doppelreim zum Mann?" In Massivs Welt ergibt all das Sinn. Spektakuläre Reime und doppeldeutige Vergleiche würden die Atmosphäre nur zerstören.

Auch die unter anderem von Azazeel produzierten Beats punkten nicht durch frische Ideen. Das Sample, das Booba schon in seinem größten Hit "N° 10" verwendet hat, verwurstet Massiv in "Löwenherz 2" erneut. Für Abwechslung sorgt der Musiker durch die Themenwahl. In Stücken wie "Malika", "Bruderherz" und "Stiche in dein Herz" zeigt er sich von einer verletzlichen Seite. Harte Schale, weicher Kern halt. Wer für die Dampfwalzen gekommen ist, wird skippen.

"Lativ" reiht sich nicht in die Meisterwerke des Deutschraps ein. Dafür fehlen Vision und handwerkliches Geschick. Dass sich Massiv jedoch eine eigene Nische geschaffen hat, lässt sich nach den 16 Stücken kaum bestreiten. Jugendfreien Straßen-Rap aufzunehmen, der dennoch hart klingt, ist eine Kunst für sich. Dazu gesellt sich eine markante Stimme und eine unvergleichliche Delivery. Es hat einen Grund, weshalb Massiv seit eineinhalb Dekaden dabei ist.

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