Boys Toys

Boys Toys

Mavi Phoenix

Redaktionswertung: 
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Seit 2013 veröffentlicht Mavi Phoenix vielversprechende Singles und EPs. Nun ist das Debütalbum "Boys Toys" erschienen. Obwohl der Österreicher darauf schwer wiegende Gedanken mit der Welt teilt, gelingt ihm eine lebhafte und tanzbare Platte.

Anfang des Jahres hat sich Mavi Phoenix als trans männlich geoutet und verwendet seitdem das Pronomen "er". Eine Bekanntgabe, die im Jahr 2020 immer noch als mutig bezeichnet werden muss, so entfolgten ihm nach eigenen Angaben auf Instagram prompt einige Follower. Doch die "neue Energie" lasse er sich nicht nehmen. Immerhin stehe sein Debütalbum "Boys Toys" an.

Auf der Platte gewährt Mavi tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt: "Strolling trough the streets and the dreadful summer heat / I'm just being jealous of every guy I meet / He might be ugly but he a dude at least / Me and my baby more like Beauty and the Beast."

Dieser Seelenstriptease zieht sich durch das Album. Wie sehr der 24-Jährige mit seinem Innenleben zu kämpfen hat, verrät er in dem gesprochenen Interlude "Scary Thoughts": "People may see me as like this outgoing person that’s loud and stuff. But actually I’m really in my head most of the time."

Video: Mavi Phoenix – Boys Toys

Der Sound deckt sich nicht immer mit den ernsten Inhalten. Dafür passt er zu sehr in den Zeitgeist aus "Turn up" und Hustensaft. Genau darin liegt allerdings die Stärke der Musik. Mavi nutzt zwar die unwiderstehliche Autotune- und Lo-Fi-Ästhetik des heutigen Hip-Hops, füllt sie aber nicht mit Aufzählungen von Statussymbolen und konsumierten Drogen.

In einer Mischung aus Die Antwoord, The Cool Kids und Left Boy schlägt der Musiker stattdessen Brücken zwischen leichtfüßigem Pop und Conscious Rap.

All das hält Mavis' jugendliche Stimme zusammen. Akzentfrei rappt und singt der Österreicher über die durchdachten Instrumentals.

"Boys Toys" vereint "The College Dropout" mit "Astroworld". Ein Saxofon reichert den Autotune-Swagger in "Strawberries" an und in "Weekend" steigert sich der Ohrwurm-Refrain mithilfe des Stimmeffekts in Chipmunk-Höhen. Das Ergebnis reicht von aggressiv und angriffslustig ("Choose Your Fighter") bis weich und verletzlich ("Family").

Bilderbuch und Milky Chance nahmen Mavi Phoenix mit auf Tour. 2019 gewann er bei der Amadeus-Verleihung den "FM4-Award". Mit "Quiet" und "Green Queen" hat er bereits zwei erfolgreiche Singles auf der Habenseite. Wenn "Boys Toys" nicht zum endgültigen Durchbruch verhilft, läuft einiges schief. An der Qualität der Musik liegt es dann zumindest nicht.

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