FOUR (Acts Of Love)

Mick Harvey - FOUR (Acts Of Love)

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Nach 36 Jahren trennte sich Mick Harvey 2009 von seinem Weggefährten Nick Cave, mit dem er bereits in der Schule die Band The Birthday Party und später The Bad Seeds gegründet hatte. Jetzt legt er ein neues Soloalbum vor.

Seit seiner Trennung von Cave tritt Harvey verstärkt als Filmmusiker und Produzent in Erscheinung und gewann zusammen mit PJ Harvey (nicht verwandt oder verschwägert) 2011 den Mercury Prize für "Let England Shake".  Alle paar Jahre nimmt er ein Solo-Album mit eigenen Liedern auf, in denen die E-Gitarren kräftig angeschlagen werden, die Grundhaltung aber melancholisch bleibt. Fast wie bei Nick Cave also. 

Auf seinen ersten Alben hat Harvey Serge Gainsbourg gecovert, eine auf den ersten Blick kuriose Wahl. Und doch verrät selbst jetzt, viele Jahre später, die sinnliche Sprödigkeit von Harveys neuem Album noch immer eine gewisse Nähe zu dem französischen Schwerenöter.

Auch auf „FOUR (Acts of Love)“ verraten die Cover-Versionen viel über Harveys Seelenverwandtschaften: So ist auch ein Lied von PJ Harvey mit dabei (das unveröffentlichte „Glorious“). Noch spannender ist, was ihr Namensvetter aus Van Morrisons „The Way Young Lovers do“ macht: Was auf dessen „Astral Weeks“ eine leidenschaftlich vorpreschende Hymne war, steht hier fast still; zurückgenommen singt Harvey von der Jugend, die heute aber längst vergangen ist. 

Dazu passt auch, dass das Album laut Pressetext eine Kontemplation über die romantische Liebe ist. „Love is just fairy dust, shadowed by greed and lust“ heißt es ein wenig resigniert, aber gleichzeitig unbekümmert, beinahe stoisch in „Fairy Dust“. Fast wäre das Album so zuende gegangen, doch dann setzt mit „Praise the Earth (an Ephemeral Play)“ eine Reprise des ersten Songs an. Unsere Träume und Taten, singt er da, sind „into the unknown“ verschwunden, doch die Musik widerspricht dieser traurigen Einsicht, sie macht einfach noch ein bisschen weiter, fast schon optimistisch.

Neben Nick Cave hat Harvey naturgemäß einen schweren Stand, zumal dessen aktuelles Album so besonders geworden ist; nichtsdestoweniger lohnt sich „FOUR (Acts of Love)“, gerade weil das das nervöse Barmen Caves weitestgehend fehlt. Wobei das ja auch bei Cave weniger geworden ist. Die australischen Helden werden eben auch nicht jünger.

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