Das Cover von Milky Chances "Blossom"

Milky Chance - Blossom

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Milky Chance wurden 2013 unerwartet zu Stars und Profi-Musikern. Mit "Stolen Dance" landeten sie einen Welthit und öffneten sich alle Türen. Was komisch ist: Das merkt man ihrer zweiten Platte gar nicht an.

Download & Stream: 

Das Debütalbum des Kasseler Duos, “Sadnecessary”, das zu einem Zwölftel aus “Stolen Dance” bestand, war geprägt vom Sound einer Standard-Samplebibliothek und den begrenzten Möglichkeiten, die eine Band aus zwei Schülern irgendwo in der nordhessischen Provinz eben hat.

Es war simpel, es war oft erbarmungslos platt, aber groovte trotzdem direkt neben dem Zeitgeist in den Olymp des Indie-Universums. Dem Eindruck von verkappter Genialität konnte man sich beim Hören von Milky Chance kaum erwehren. Die Einfachheit schien den Umständen geschuldet.

Video: Milky Chance - Cocoon

Deswegen stellt sich bei ihrem zweiten Album nun die Frage: Was machen Clemens Rehbein und Philipp Dausch, wenn sie nicht mehr im Keller unterm eigenen Kinderzimmer vorm klapprigen Laptop sitzen, sondern mit Major im Rücken quasi unbegrenzte Möglichkeiten haben.

Offensichtlich kaufen sie sich Instrumente. Ein echtes Schlagzeug, einen echten Bass. Ansonsten bleibt eigentlich alles wie gehabt. Die Strukturen simpel, die Beats geradlinig. Das kann man doof finden. Wäre allerdings Blödsinn.

Ok klar, “Blossom” ist definitiv kein kreativer Meilenstein in der Karriere von Milky Chance; es wirkt eher wie die Neuauflage des Albums, das sie eigentlich schon vor drei Jahren gemacht hätten, hätten sie gekonnt. Aber die komplette Neuerfindung gibt's wohl hauptsächlich nicht, weil sie schlicht nicht erwünscht ist.

Video: Milky Chance - Blossom

Warum sollten sich die Songs plötzlich in epischen Arrangements verlieren, statt weiter hauptsächlich auf schrammelige Gitarren und straighte House-Beats zu setzen? Warum einen Sound ändern, der so gut funktioniert? Am Ende bleibt der einzige Streitpunkt unter Fans und deren argumentativen Konterparts ohnehin der krächzende Sound, den Clemens von sich gibt, wenn er mit der Gitarre vorm Mikro steht. Mag man oder mag man nicht – Geschmackssache –, der Rest ist Beiwerk.

Und so bleibt “Blossom” ein Album, das den polarisierenden und markanten Gesang geschickt in Szene setzt, auf dem ein Song über einen Rückzugsort “Cocoon” heißt und ein Klavierstück den Titel “Piano Song” trägt. Textlich ist es oft profan, musikalisch leicht zugänglich und künstlerisch harmlos. Oder mit anderen Worten: Eine grandiose Pop-Platte.

Milky Chance  "The Blossom Tour 2017"

20.11.2017    Hamburg, Große Freiheit 36    
21.11.2017    Köln, Live Music Hall
22.11.2017    Frankfurt, Batschkapp    
30.11.2017    Berlin, Columbiahalle        
05.12.2017    Leipzig, Haus Auensee
06.12.2017    München, Muffathalle

"Blossom" erscheint am 17.03.2017 auf Muggelig Records.

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