Morrissey - Viva Hate

Morrissey - Viva Hate

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Am 14. März 1988 erschien mit “Viva Hate” das erste Solo-Album von Morrissey, nachdem sich seine Band The Smiths im Jahre 1987 auflöste: Die Verarbeitung des Schocks mündete in einem seiner besten Alben und ist bis heute mehr als ein Trostpflaster für die tieftraurigen Fans.

Das Debüt-Album Morrisseys als Solo-Künstler ist musikalisch wohl das ähnlichste zur Musik der Smiths und thematisch beinhaltet es bereits vieles, was später zu provokanten und kontroversen Diskussionen um den streitbaren Sänger führen sollte.

Die erste Single „Suedehead“ – der Name ist eine Anspielung auf die britische Subkultur-Szene der Skinheads, die musikalisch im Ska und Northern-Soul eine Heimat hatten – ist eine Leidenshymne für enttäuschte Liebende: Mit diesem Text und mit dem Hommage-Video an James Dean, in dem er sich als Poet in der Badewanne inszeniert (Das Bademattentuch trägt übrigens den Schriftzug „There’s A Light That Never Goes Out“) rief Morrissey alle enttäuschten Smiths-Fans zu sich und sie kamen in Scharen.

Erste Konzerte wurden frenetisch gefeiert, bis heute versuchen immer wieder Fans die Bühne zu stürmen und wenn der mittlerweile 58-Jährige sein T-Shirt auszieht, wird darum traditionell erbittert im Publikum gekämpft, bis viele einen Fetzen davon in Händen halten und diesen nicht selten rahmen.

Morrissey - Suedehead

Die ersten großen Diskussionen um Morrissey gab es wegen des Songs „Bengali In Plattforms“, in dem er über einen jungen Einwanderer singt: "Bengali, Bengali/Oh, shelve your Western plans/And understand/That life is hard enough when you belong here." Während die einen Morrissey Rassismus vorwarfen, sahen die anderen in den Zeilen vielmehr eine Zustandsbeschreibung eines erkalteten Großbritanniens zu der Zeit Margaret Thatchers. Dieser verhassten Premierministerin widmet Morrissey auch den letzten Song des Albums, dessen Titel „Viva Hate“ hier noch mal seine ganze Kraft entfaltet: In „Margaret On The Guillotine“ wünscht er sich den Tod der Eisernen Lady herbei.

Viele sehen darin den Beweis einer wachsenden Bitterkeit Morrisseys und vergessen dabei, dass dieser Zynismus immer schon Teil seiner Texte war. Zu Zeiten der Smiths war der Sarkasmus noch gepaart mit Humor, der Morrissey im Laufe der Zeit immer mehr verloren ging, jedoch in „Viva Hate“ in vielen Songs geschliffen aufblitzt – man denke nur an die Zeile „Rejection is one thing/But rejection from a fool/Is cruel".

Das Album ist nach wie vor gespickt mit zeitlos schönen und brillanten Liedern wie „I Don’t Mind If You Forget Me“, „Hairdresser on Fire“ oder dem epischen wie poetischen „Everyday Is Like Sunday“: Ein Song, den man als Soundtrack beim Ende der Welt wählen sollte.

Morrissey – California Son (Album Cover)

Morrissey

Er war Frontmann der legendären The Smiths und ist auch solo noch immer ein streitbarer Charakter: Steven Patrick Morrissey.

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