Mudi Hasret cover

Mudi - Hasret

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Ein Album wie ein Bollywood-Film. Mudi erschafft mit "Hasret" ein Märchen, das viel zu kitschig gerät.

"Hasret", das bedeutet "Sehnsucht" und ist nach "Sabr" (etwa: "Geduld") und "Hayat" ("Leben") das nächste Kapitel in Mudis Diskographie. Schon die Namensgebung seiner Alben offenbart den Stellenwert, den Kultur und Tradition in seinem Leben einnimmt. Nach seinem kurzen Straßenrap-Ausflug Mitte der Nullerjahre hat sich der Berliner inzwischen ganz seinem eigens geschöpften Genre verschrieben, dem "Arabesk Rap". 

Video: Mudi - "Utanmadin mi" (feat. Derya)

Mudi bewegt sich damit in den Fußstapfen von türkischen Schlagerstars wie İbrahim Tatlıses, die in ihrer Heimat wie Volkshelden verehrt werden und deren Wohlfühl-Musik dort aus jedem Taxiradio oder Shisha-Café schallt. "Hasret" ist der absolute Gegenentwurf zu zeitgenössischem Gangsta Rap, der vor allem durch Provokation und Grenzüberschreitung besticht - stattdessen geht es um traditionelle Werte wie Familie, Zusammenhalt und Glaube.

Hier liegt aber auch die Krux. Alles ist ein bisschen zu glatt, zu märchenhaft und vor allem zu einfach. Frau verzaubert Mann ("Pocahontas"), beide versprechen sich ewige Treue ("Sa2alune"), gründen schließlich eine Familie ("Nachnamen"). Mann ist gleichzeitig aber auch den Verführungen der vielen anderen Frauen ausgesetzt, denen es zu widerstehen gilt ("Utanmadin mi"). "Hasret" ist ein Album, wie es konservativer kaum sein könnte. Das offenbart sich vor allem in einigen der Liebesbekundungen, die Mudi seiner Herzensdame macht.

„Hab' viel zu tun, doch meine Frau ist heute wichtiger
Helf' ihr beim Haushalt, ja, Bruder, ich wisch' sogar”

- Mudi auf "Nachnamen"

Bei der instrumentalen Umsetzung gilt für den Deutsch-Libanesen das alte Deutschrap-Credo: Piano und Streicher für deepe, ehrliche Tracks. Kaum ein Song, der ohne bedeutungsschwangere Klavierbegleitung auskommt, die wahlweise durch orientalisch angehauchte Samples oder eine Solo-Geige ergänzt werden. Das gerät insgesamt alles ein wenig zu pathetisch und wird über die gesamte Laufzeit des Albums sehr vorhersehbar.

Mudis vierte LP ist ein bisschen Bollywood-Film: streng genommen keine kulturelle Avantgarde und insgesamt einfach zu lang, aber für Fans, die sich mit den gezeigten Werten identifizieren können genau das Richtige. Wer vor viel Kitsch nicht zurückschreckt, dürfte mit "Hasret" durchaus glücklich werden.

Video: Mudi - "Sa2alune"

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