Alligator

Alligator

The National

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Eben noch Geheimtip, morgen vielleicht schon Konsensalbum. Gar keine so gewagte Prognose bei der erhabenen Klasse, die "Alligator" - das dritte Album von The National - ausstrahlt.

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Gedanken wurden zurechtgelegt, Anknüpfungspunkte gesucht und Assoziationen geknüpft. Man war sich im Klaren darüber, wo und wie man das hier einzuordnen hat. Das Territorium war abgesteckt, The Nationals "Alligator" durchschaut. Aber hallo. Klar, da ist die Alt.Country-Vorliebe, die die Band wie schon auf ihren "Sad Songs For Dirty Lovers" - wenn gleich auch in sparsamerer Dosierung - kultiviert, da sind die Spuren, die New York in all den Jahren bei den ursprünglich aus Ohio stammenden Band-Mitgliedern hinterlassen hat – der Zauber und die Melancholie der Großstadt, die zu Musik geronnene Ambivalenz der Gefühle, die vor allem in der Weltmetropole Anfang der Achtziger Meisterwerk nach Meisterwerk zeitigte. All das kennt man und schätzt man - von anderen Bands. Das Problem ist nur: Mit Abgebrühtheit kommt man bei The Nationals drittem Werk nicht weiter. Aber so was von überhaupt nicht. Retro- und Schon-mal-gehört-Verdacht sind eben keine Rechtfertigung dafür, dass man sich nicht hemmungslos versenken und verlieben sollte in die majestätischen, unterkühlten Songs von "Alligator". Songs, bei denen Gossenflair und Grandezza, sexuelle Ausschweifung und Schwermut sich nicht widersprechen, sondern gnadenlos bedingen. Songs, über denen der Bariton von Sänger Matt Berninger thront mit teuflischer Leidenschaft und kryptischer Klage. Songs so wunderschön und erhaben wie "All The Wine". (cp)

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