Noga Erez - Off The Radar
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Noga Erez - Off The Radar

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Mit Noga Erez bekommt der für Europäer oft diffuse Nahostkonflikt ein längst überfälliges popkulturelles Gesicht. Sie zeigt, wie kritisch sich junge Israelis heute mit der verworrenen Situation ihres Landes auseinandersetzen und schafft dabei auch ein musikalisch beeindruckend reifes Debütalbum.

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Noga Erez kommt aus Tel Aviv, einer Insel der Sicherheit inmitten einer umkämpften Region. Dennoch hat jeder junge Isreali unmittelbar mit dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zu tun und auch Erez musste als Soldatin ihren Dienst ableisten. "Ich wurde in eine Realität hineingeboren, die ich als surreal empfinde, verrückt", sagt die Künstlerin heute und sie trage eine riesige Wut mit sich herum, die sie nun in ihrer Musik kreativ ablässt.

1. Balkada

Die Ansage vorneweg: Über einem Vocalteppich und eindringlichem Dance-Beat sinniert Erez über die Macht und Verantwortung eines Künstlers gegenüber seines Publikums. Spoiler: Sie duckt sich nicht weg; sie wird wichtige Dinge sagen!

2. Dance While You Shoot

Zwischen schweren Trap-/Grimebeats und einem vor Zeitgeist strotzenden Chorus massentauglich weltpolitische Themen verhandeln – daran sind schon einige gescheitert. Erez tut es nicht. Schon bei Track zwei bleibt keinerlei Raum für Zweifel an der Agenda dieser Frau. Schluss mit weißem Rauschen!

Video: Noga Erez - "Dance While You Shoot"

3. Toy

Das erste Beispiel für den soundmalerischen Charakter dieses Albums: Mit wankelndem Gesang und extrem wenig Text wird die unbändige Gefahr von Machtvererbung ohne Kompetenzen-Check offensichtlich.

"Wir leben immer noch im Zeitalter von Königen und Königinnen, aber wir erzählen uns das Märchen von der Demokratie.” – Noga Erez

4. Instruction

“Read the instructions carefully”

5. Pity

Erst knapp zehn Minuten weg vom Radar und spätestens bei diesem Thema duckt sich jede andere Pop-Platte ganz tief weg: sexuelle Gewalt gegen Frauen und deren öffentliche Zurschaustellung. Die Leichtigkeit des aufdringlich eingängigen Dance-Beats, zu dem hier davon berichtet wird, setzt den Fokus erst recht.

6. Quite One

Musikalische Überleitung mit lyrisch angekündigtem Stimmungswechsel.

7. Worth One

Und plötzliche verströmt das Piepen eines Metronoms im Wirr-Warr der vergangenen Songs eine unheimliche Ruhe. Die perfekte Szenerie für ausgiebige Reflexionen zu undurchsichtigen und überholten Moral- und Wertesystemen.

8. Global Fear

Soundmalerei die Zweite. Oder auch: Uncanny; fucking uncanny! In feinen geisterhaften Chorälen manifestiert sich eine diffuse Angst des Ungewissen, die eine ganze Generation lähmt.

9. Hit U

Vor dem “Hit” des Album eigentlich ein wenig plump. Musikalisch trotzdem eine Überleitung, wie sie ihres gleichen sucht.

10. Off The Radar

Zu Schreibmaschinen-Geklacker und bläser-esken Synth darf man “Off The Radar” im Titelsong nun endgültig verfallen. Die im Text beschriebene Angst des Vergessen-werdens dürfte sich mit diesem Track für Erez verflüchtigt haben.

11. Side Effect

Der zweite Teil der “Instructions”.

12. Muezzin

Wer bisher nicht wusste, wie sich eine Panikattacke anfühlt, der kann es jetzt zumindest erahnen. Soundmalerei die Dritte: “There’s no coming out of this. No good coming out of this”

13. Noisy

Fairerweise müsste man bei der simplen Eingängigkeit dieses so gar nicht “noisy” Songs vom schwächsten des Albums sprechen.

14. A Hit Is A Hit

Das letzte Interlude. Erste Melancholie macht sich breit.

15. Junior

Jetzt wird es doch noch ganz verletzlich. Der Beat klopft schwermütig. Abschied liegt in der Luft.

Während die Künstlerin über die Grenzen der Liebe sinniert, ist es Zeit für ein Resümee: Eingehüllt im Mantel eines Albums, das kaum mehr nach 2017 klingen kann, dringt Noga Erez mit politischen Thematiken in die hedonistische Filterblase weltweiter Clubkultur und setzt Statements, die nun nicht mehr vom Radar zu fegen sind. 

"Off The Radar" erscheint am 02.06.2017 über City Slang.

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