Okkervil River / "Away"

Away

Okkervil River

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Ihre Musik ist wahrlich kein Synonym für Gute-Laune-Songs, doch so dicht am Nullpunkt wie hier waren sie wohl noch nie. Düstere Geschichten, leise erzählt: Okkervil River sind nicht mehr, was sie einmal waren. Trotzdem -oder vielleicht genau deshalb- ist ihr neues Album ein Instant Klassiker.

Spätestens seit „The Stage Names“ (2007) und „The Stand Ins“ (2008) hat auch hierzulande jeder, der sich für das weite Feld Indie Folk / Alternative Country interessiert, Okkervil River auf dem Schirm. Kollegen und Weggefährten wie The National, Conor Oberst, The Decemberists oder Death Cab For Cutie sind die berühmteren Namen in der Branche, kaum jemand jedoch verkörpert das Wesen des Genres mit solcher Grandezza wie die leidgeprüfte Band aus Austin, Texas.

In der 18-jährigen Band-Geschichte gab es so viele Neu- und Umbesetzungen, dass Will Sheff inzwischen als einziges Gründungsmitglied übrig geblieben ist. Hörbare Auswirkungen hat das allerdings eher nur geringe, denn Sheff ist gleichzeitig Mastermind, Produzent und Sänger, das Werk der Band trägt somit ohnehin mehr oder weniger seine alleinige Handschrift.

Nach dem verhältnismäßig beswingten Vorgänger „The Silver Gymnasium“ (2013) schalten Okkervil River auf ihrem achten Album wieder deutlich herunter und pendeln sich zwischen Americana, Folk und Country ein. Spröder Lagerfeuer-Charme und beinahe sakrale Ruhe - der Sound auf „Away“ ist so abgekoppelt von allem, dass man ihn ihm ganz und gar versinken kann. Fast wie ein kleiner Urlaub.

Gefällig und seicht ist das alles deshalb jedoch keineswegs, im Gegenteil. Sheff befasst sich mit demTod, der Bedeutung des eigenen Daseins, mit Um- und Aufbrüchen, mit Verlust und Enttäuschung. Gleich im Opener „Okkervil River R.I.P.“ beerdigt er sich selbst, sinniert über sich und seine Lieben, das Leben und das Ende.

Doch nicht erst der Clip zum Song offenbart einen zaghaften, eigentümlichen Humor, eine schräge Sicht auf die Dinge, die selbst die dunkelsten Momente erträglicher macht. Denn obwohl die Themen auf „Away“ keine leichten sind wurde es kein schwermütiges oder gar depressives Album. Die Songs strahlen eine tiefe Ruhe aus, die sich sofort auf den Hörer überträgt und ihn für eine wohltuende Stunde völlig von Raum und Zeit befreit - wenn er sich darauf einlässt.

Okkervil River machen Musik, deren wahre Größe sich sicherlich nicht jedem und vor allem nicht sofort erschließt. Auch dieses Album wird wohl zumindest unter kommerziellen Gesichtspunkten nichts am Status der Band ändern. Ein grober Fehler des immer gleichen Musikmarktes, denn „Away“ zeigt auf sehr eindrucksvolle Weise, dass Okkervil River wirklich zu den großen Meistern ihres Fachs zählen.

 

"Away" erscheint am 9.9.2016 über ATO Records.

Die Band spielt am 4.11.2016 im Rahmen des Rolling Stone Weekender in Wangels an der Ostsee.

 

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