This Is Hardcore

Pulp - This Is Hardcore

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Drei Jahre nach ihrem Britpop-Durchbruchalbum “Different Class” irritieren Pulp im Jahr 1998 nicht nur mit dem Coverartwork dieses Albums, sondern auch mit einem musikalischen Art-Pop über die Working Class: Indeed – “This Is Hardcore”.

Der Künstler Peter Saville, unsterblich geworden durch sein Joy-Division-Cover „Unknown Pleasures“ ist verantwortlich für das kontroverse Bild auf dem Album: Es zeigt vermutlich eine Pornodarstellerin in höchst artifizieller Weise und Werbeplakate für das Album wurden in der Londoner U-Bahn mit Sprüchen wie „This Is Sexist“ übersprüht. Nun steht Sänger Jarvis Cocker keineswegs im Verdacht, sexistisch zu sein, auch wenn er viel über Sex singt. Aber er singt eben auch Dinge wie „I am not Jesus though I have the same initials. I am the man who stays home and does the dishes. And how was your day?“.

Video: This Is Hardcore

Alle, die Pulp nur aus der Hochphase des Britpop kannten und Hits wie „Common People“ liebten, waren von „This Is Hardcore“ verwirrt: Das Album war sperrig wie im Eingangstrack „The Fear“, aggressiv wie bei der Anti-Britpophymne „Party Hard“, noir-sexy wie in „This Is Hardcore“ (basierend auf einem Sample des Peter Thomas Sound Orchestras Song “Bolero On the Moon Rocks“ aus dem Soundtrack „Raumpatrouille Orion“) und berührend wie bei „Help The Aged“ – einem Song, der eine Zeit nach der großen Party beschreibt und das Ende des Hedonismus in folgende weise Zeilen packt: „Help the aged, One time they were just like you. Drinking, smoking cigs and sniffing glue“.

Wer einmal gesehen hat, wie in dem empfehlenswerten Dokumentarfilm „Pulp: A Film About Life, Death & Supermarkets“ das Altersheim von Sheffield – der Heimatstadt der Band – dieses Lied singt, wird von da an einen völlig anderen Blick auf das Älterwerden haben: Entweder ernüchtert oder erheitertet, beides ist möglich durch diesen Song – sogar beides zugleich.

So ist „This Is Hardcore“ auch ein Album über den „normalen“ britischen Arbeiter geworden – sei es die Sex-Arbeiterin auf dem Cover, der Hausmann beim Geschirrabwaschen oder der Rentner, der sein Leben lang schuftete und nun im Altersheim sitzt. Nick Hornby nannte Jarvis Cocker wegen dieses Albums „People’s Poet“ und er hat damit vollkommen Recht – niemand kann Beobachtungen über den tristen Alltag mit mehr Schönheit oder Sexyness in Liedtexte verpacken als er.

▶︎ Cool Britannia: Die zehn besten Songs der Ära Britpop

Pulp

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