Zenit

RAF Camora - Zenit

Redaktionswertung: 
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Die Zeichen stehen auf Abschied. Angeblich hat RAF Camora mit "Zenit" sein siebtes und letztes Soloalbum veröffentlicht. Doch schon im Opener schenkt er seinen Fans Hoffnung: "Karriereende niemals, glaub mir, erst jetzt beginnt die Party".

"Zenit" klingt dennoch, als würde RAF ein vorläufiges, wenn nicht sogar endgültiges Resümee ziehen. In drei entsprechend betitelten Interludes ("Resumee Worte", "Resumee Risiko" & "Resumee Rabe") greift er Erinnerungen auf und bewertet sie aus heutiger Sicht. Das reicht von Großmäulern, die ihren Worten keine Taten folgen ließen, bis zu Verflossenen, die andere Vorstellungen von der Zukunft hatten.

Nun reicht es RAF jedoch. Er sehnt sich nach der echten Liebe von Frauen und Freunden, vielleicht sogar nach etwas Ruhe. Denn er ist einer von uns. Auch er stapelt in seinem Kofferraum leere Flaschen. Der Unterschied: Sein Kofferraum gehört nicht zu einem Dreiergolf, sondern zu einem Ferrari.

Auf "Zenit" rattert er noch einmal die alte Formel runter und setzt sich als Normalo mit hart erarbeitetem Ruhm in Szene. Dabei dreht sich RAF einmal mehr um sich selbst. Wenn er nicht gerade missgünstige Wegbegleiter degradiert, sagt er anderen, wie sie sich verhalten müssen, um ihm zu gefallen. So können sich weibliche Fans anhand der Beschreibungen in "Adriana" in das perfekte RAF-Anhängsel verwandeln.

Video: RAF Camora – Sag ihnen

Musikalisch beruft sich der 35-Jährige auf bereits Bewährtes. In "Kreiert" setzt er auf "Stranger Things"-Synthies", in "Verändert" trifft das Keyboard von Robert Miles auf Dancehall-Rhythmen und "Vendetta" spielt mit einer gefährlich am Abgrund tanzenden Eurodance-Ästhetik. Dass die Produktionen trotzdem knallen, versteht sich bei einer Blockbuster-Veröffentlichung wie "Zenit" von selbst.

Spannend wird es, wenn RAF über sein Lebenswerk nachdenkt. "Publikum hat Alzheimer / sie vergessen nach einem Tag deinen Namen / heute fragen schon paar Kinder, 'Wer war Sido?''", rappt er in "Cinema". Auch in "Nichts als Nichts" lässt er durchblicken, dass er nicht weiß, ob man ihn irgendwann vergisst. Die Vergänglichkeit des Ruhms scheint ihn zu beschäftigen.

Als Pop-Rap-Album überzeugt "Zenit" komplett. In RAFs eigener Diskografie nimmt es allerdings keinen der vorderen Ränge ein. Dafür setzt der Österreicher musikalisch zu sehr auf das sichere Pferd. Die Kundschaft wird es trotzdem freuen, darf sie sich (womöglich) noch ein letztes Mal über den RAF freuen, in den sie sich spätestens mit "Anthrazit" verliebt hat.

Video: RAF Camora feat. Ghetto Phenomene – Puta Madre

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