Rick Rubin

Rick Rubin (Presspic Twitter)

Produzentenlegende aus New York, die fast jedes Genre mit eigenem Stempel versieht: Rick Rubin verfeinerte Alben von unter anderem Beastie Boys, Slayer, Johnny Cash, Adele oder Lana Del Rey.

Soll man das herausragendste von Rick Rubin produzierte Album nennen, wird es schwer, denn es sind so viele unterschiedliche und stets außergewöhnliche Werke. Einig sind sich jedoch alle darin, dass er dem aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geratenen Country-Sänger im Alter zu einer zweiten Karriere mit dessen "American Recordings" verschaffte. Damit produzierte er das 81 (!) Album Cashs, die in dessen Wohnzimmer mit Akustikgitarre aufgeommen wurde. Die Zusammenarbeit beider führte zu der eindringlichen Gänsehaut-Version von Nine Inch Nails‘ "Hurt".

Video: Johnny Cash - Hurt

Biografie Rick Rubin:

1963 als Frederick Jay Rubin auf Long Island, New York geboren spielte der sich schließlich Rick Rubin nennende Musikfan Anfang der 80er Jahre Gitarre bei der Hardcore-Band The Pricks.

1984 gründete er noch als Student und gerade einmal 22 Jahre alt sein eigenes Label Def Jam, zusammen mit Russell Simmons, der heute ein erfolgreicher Unternehmer ist. Anfänglich wurden Hip-Hop-Künstler unter Vertrag genommen, doch schon bald stand das Label auch anderen Genres offen.

Die ersten aufstrebenden Künstler bei Def Jam waren LL Cool J oder Run DMC, aber die aufregendste Entdeckung sollten die Beastie Boys sein, deren Debüt "Licensed To Ill" durch Rubins roher Mischung aus Rockgitarrenriffs und Hip Hop Beats ein riesiger Erfolg wurde und als erstes Rap-Album überhaupt die Nummer 1 der US-Charts erklimmen konnte. In ihrer Autobiografie wird berichtet, dass bei den Beastie Boys anfänglich auch eine Frau dabei war: Kate Schellenbach (später bei Luscious Jackson) spielte anfangs Schlagzeug, wurde aber aus Imagegründen und auf Betreiben von Rick Rubin hinausgeworfen. Von Anfang an ist klar, dass es Rubin nicht nur um die Musik geht, sondern auch ums Business.

Video: Beastie Boys - No Sleep Till Brooklyn

1986 zerstritten sich Rubin und Simmons und ein neues Rubin-Label wurde geboren: Def Americans, 1993 in American Recordings umbenannt. Überhaupt gibt es jede Menge Reibereien mit Künstlern und Rubin, dessen Ego genauso eindrucksvoll ist wie sein Rauschebart. Malcolm Young von AC/DC ist nach der Zusammenarbeit überhaupt nicht mehr gut auf ihn zu sprechen und auch die Beastie Boys gehen ihm lieber aus dem Weg.

Rubin widmet sich jedoch Musikrichtungen aller Art, wenn ihm der jeweilige Sound etwas bedeutet: So gibt es von ihm produzierte Alben über Genre-Grenzen hinweg und er veredelt den Heavy Metal von Slayer ("Reign In Blood" - 1986) genauso wie den Hip-Hop von Public Enemy oder den rohen Indie-Rock der Red Hot Chili Peppers, denen mit ihrem bereits fünften Album "Blood Sugar Sex Magik" (1991) ein Meisterwerk gelingt. Rubin reduziert deren Sound auf die Grundbausteine, so dass diese nun geradezu präzise und klar klingen. Seither produziert Rubin übrigens jedes weitere Album der kalifornischen Band.

Video: Red Hot Chili Peppers - Give It Away

1994: Die Zusammenarbeit mit dem alternden Johnny Cash wird zum hingebungsvollen Akt, denn  die beiden werden nicht nur Freunde, sondern Rubin schenkt dem "Man In Black" mit dem Album "American Recordings" eine zweite Karriere, in der eine neue Generation den Country-Star kennen und lieben lernt.

Es folgt eine ganze Albenreihe, die mit "American VI: Ain’t No Grave" endete. Alle Songs darauf wurden zwischen dem Tod seiner Frau June im Mai bis zu Cashs eigenem Tod im September 2003 aufgenommen, als er schwer krank und bereits fast gänzlich erblindet im Rollstuhl saß. Tonspion schrieb damals: 

"Wieder schafft es die von Rubin spartanisch in Szene gesetzte Musik, dass man vom ersten bis zum letzten Song gebannt an den Lippen des charismatischen Sängers hängt".

2007: Rubin wird zum Co-Chef des zu Sony/BMG gehörenden Labels Columbia Records und setzt sich angesichts der Musikindustrie-Krise für eine Art Abo-Modell zur Vermarktung ein. Ein Jahr darauf erhält er nach 2006 zum zweiten Mal einen Grammy als "Produzent des Jahres". 

In Sachen Business lässt sich der sonst so tiefentspannte Buddha- und Yoga-Fan Rubin nicht hineinreden und lässt sich Sonderklauseln in Verträge schreiben und arbeitet mit Künstlern wie er will. Das musste selbst Superstar Mick Jagger erfahren, der bei Rubin gnadenlos ablitzte.

Das letzte Wort behält immer Rubin.

Diskografie Rick Rubin (Auswahl)

1985: LL Cool J – Radio

1986: Beastie Boys – Licensed to Ill

1986: Slayer – Reign in Blood

1987: The Cult – Electric

1987: Public Enemy – Yo! Bum Rush the Show

1988: Masters of Reality – Masters of Reality (The Blue Garden)

1988: Danzig – Danzig

1988: Public Enemy – It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back

1988: Slayer – South of Heaven

1988: Danzig – Danzig II: Lucifuge

1990: Trouble – Trouble

1990: Slayer – Seasons in the Abyss

1991: Red Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magik

1992: Danzig – Danzig III: How the Gods Kill

1993: Mick Jagger – Wandering Spirit

1994: Tom Petty – Wildflowers

1994: Johnny Cash – American Recordings

1995: AC/DC – Ballbreaker

1995: Red Hot Chili Peppers – One Hot Minute

1996: Donovan – Sutras

1996: Johnny Cash – Unchained

1998: System of a Down – System of a Down

1999: Melanie C – Northern Star

1999: Red Hot Chili Peppers – Californication

2000: Rage Against the Machine – Renegades

2000: Johnny Cash – American III: Solitary Man

2001: System of a Down – Toxicity

2001: American Head Charge – The War of Art

2001: Nusrat Fateh Ali Khan – The Final Studio Recordings

2002: Audioslave – Audioslave

2002: Red Hot Chili Peppers – By the Way

2002: System of a Down – Steal This Album!

2002: Johnny Cash – American IV: The Man Comes Around

2003: The Mars Volta – De-Loused in the Comatorium

2003: Jay-Z – The Black Album

2004: Slipknot – Vol. 3: (The Subliminal Verses)

2004: The (International) Noise Conspiracy – Armed Love

2005: Weezer – Make Believe

2005: Shakira – Fijación Oral / Oral Fixation 1

2005: Neil Diamond – 12 Songs

2005: System of a Down – Mezmerize & Hypnotize

2006: Red Hot Chili Peppers – Stadium Arcadium

2006: Johnny Cash – American V: A Hundred Highways

2006: Dixie Chicks – Taking the Long Way

2006: Slayer – Christ Illusion

2006: Justin Timberlake – (Another Song) All Over Again (aus FutureSex/LoveSounds)

2007: Linkin Park – Minutes to Midnight

2008: Neil Diamond – Home Before Dark

2008: Jakob Dylan – Seeing Things

2008: Metallica – Death Magnetic

2008: Scars on Broadway – Scars on Broadway

2009: Gossip – Music for Men

2009: Slayer – World Painted Blood

2010: Johnny Cash – American VI: Ain’t No Grave

2010: Gogol Bordello – Trans-Continental Hustle

2010: Linkin Park – A Thousand Suns

2010: Kid Rock – Born Free

2011: Red Hot Chili Peppers – I’m with You

2011: Adele – 21

2012: Linkin Park – Living Things

2012: ZZ Top – La Futura

2012: Avett Brothers – The Carpenter

2012: Lana Del Rey – Ride

2013: Black Sabbath – 13

2013: Kanye West – Yeezus

2013: Eminem – The Marshall Mathers LP 2

2013: Jake Bugg – Shangri La

2013: Lady Gaga – Artpop

2014: Ed Sheeran – X

2014: Angus & Julia Stone – Angus & Julia Stone

2015: GoldLink – And After That, We Didn't Talk

2016: Kanye West – The Life of Pablo

2016: Various – Star Wars Headspace

2016: James Blake – The Colour in Anything

2016: The Avett Brothers – True Sadness

2017: Billy Corgan – Ogilala

2017: Jovanotti – Oh, vita!

2017: Eminem – Revival

2019: Carlos Santana – Africa Speaks

2019: Kate Tempest – The Book of Traps and Lessons

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Letzte Änderung: 30.06.2020