Ruffiction Ausnahmezustand Albumcover

Ausnahmezustand

Ruffiction

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Dieses Album sorgt für schlechte Laune. Das ist beabsichtigt, macht es aber musikalisch nicht besser.

2018 und Ruffiction rufen den „Ausnahmezustand“ aus. Der Status Quo scheint klar: Rechtsruck in der Gesellschaft, Populismus im Bundestag und musikalisch liegt in der Rapszene auch alles im Argen. Bei so viel Zündstoff scheint der Gegenentwurf nicht allzu fern, sollte man meinen. Klare politische Bekenntnisse auf ausgefeilten Arrangements mit Liebe zur Musik, vielleicht sogar ein paar Denkanstöße für ein gelungenes Miteinander? Weit gefehlt. Ruffiction benehmen sich auf „Ausnahmezustand“ wie die Axt im Walde und beweisen ähnlich politisches Fingerspitzengefühl wie Claus Strunz im Frühstücksfernsehen.

„Das ist für: Jede Sekunde meines Lebens auf dem Boden
Für die Schläge und Psychosen, für die Theken und die Drogen […]
Für die Kinder im Heim, für ihren Bauch voller Wut
Für alle die ihre Narben covern mit lauter Tattoos
Für die zur Schule gehen Kampf ist
Für jeden der mit seinem Rücken an der Wand ist“

So skandiert es Crystal F zum Auftakt in „Schwarzer Block“ und man nickt erst mal anerkennend angesichts dieser hehren Motive, klingt ja fast durch und durch HipHop. Doch was erst Erwartungen schürt, zerfällt nur wenige Anspielstationen später erbärmlich in sich zusammen, wenn in „Allergisch gegen Menschen“ S-Bahn-Drängler mit Reichsbürgern in den Mixer geschmissen werden und Hass auf die gesamte Gesellschaft bekundet wird. Es ist doch so: „Menschen sind scheiße“ ist immer so eine wohlfeile Aussage und kommt meist von Personen, die selbst nicht besonders interessant sind.

Ansonsten üben sich Arbok, Crack Claus und Crystal F in Grenzüberschreitungen und Drogenexzessen, die in Zeiten von pr0gramm und Internet allgemein aber furchtbar blass ausfallen. „Asoziale“ ist beispielsweise nichts weiter als eine Aneinanderreihung von vermeintlich witzigen Tabubrüchen, über deren kruden Humor man sich doch sehr wundern muss.

„Dreh den Gasherd auf, während du grad was in' Keller bringst
Tausch die Herztabletten deines Vaters gegen Pfefferminz
Besuch deine magersuchterkrankte Schwester in der Therapie
Schau sie an und sag: "Mann, gottverdammt, so fett warst du noch nie!"

- Arbok auf „Asoziale“

„Ausnahmezustand“ ist Ventilmusik, nichts für Menschen, die Gefallen an frickeligen Produktionen oder detailverliebten Lyrics finden. Meist zweckmäßige Beats („Darknet“) dienen als spartanisches Gerüst für plumpe linke Parolen und Hooks zum Mitgrölen. Man mutmaßt, dass die anvisierte Zielgruppe neben Ruffiction eher wenig mit HipHop zu tun hat und sonst vielleicht lieber Punkrock hört.

Nach 14 Tracks bleibt der Zuhörer schließlich ratlos zurück. Kein Twist, kein doppelter Boden, keine Auflösung des wirren Durcheinanders an chemischem Drogenkonsum. Der einzige Erklärungsversuch glimmt in „Hässlich“ auf, wenn Ruffiction von tatsächlich hässlichem Mobbing erzählen. Aber dann wird das Ganze doch wieder in Amokfantasien aufgelöst.

Man muss sich abschließend fragen, warum man sich überhaupt Zeit für ein Ruffiction-Album nehmen sollte. Denn K.I.Z sind witziger, Trailerpark abgedrehter und Zugezogen Maskulin intelligenter.

Ich maße mir mal an, Ruffiction selbst sprechen zu lassen:

„Das ist keine echte Musik, das ist schlechte Musik

So schlecht, dass sie ‚ne Zukunft in der Zelle verdient.“

- Ruffiction auf „Schlechte Musik“

Video: Ruffiction - Auf geht's ab geht's

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