RTJ4

RTJ4

Run The Jewels

Redaktionswertung: 
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Wen wundert's, aber die Protestsongs von Run The Jewels klingen wütender denn je. Auf "RTJ4" liefern Killer Mike und El-P den Soundtrack zur Zeit.

"Fuck it, why wait. The world is infested with bullshit so here’s something raw to listen to while you deal with it all", schrieb El-P auf Instagram, nachdem "RTJ4" zwei Tage früher als geplant erschienen ist. Wütend, hart und schmerzhaft ehrlich – kein Album fängt den Status Quo so gut ein wie das vierte Album von Run The Jewels.

Seit dem Tod von George Floyd protestieren Menschen weltweit gegen Polizeigewalt und Rassismus. Auch Killer Mike, eine Hälfte von Run The Jewels, äußerte sich in einer emotionalen Rede zur Situation: "Here we are 80 years later, I watched a white officer assassinate a black man." Die Situation sei herzzerreißend, doch Hoffnung und die richtige Entscheidung an der Wahlurne seien jetzt wichtig.

Auf "RTJ4" zeigt sich der Rapper weniger diplomatisch. Nicht nur aufgrund der rohen und rumpeligen Beats fühlt sich die Platte wie Public Enemy 2.0 an. In "Walking In The Snow" wendet er sich ohne Wohlfühlfilter direkt an seine weiße Hörerschaft. "And every day on the evening news, they feed you fear for free", rappt der 45-jährige Afroamerikaner, um einen Takt später zu verdeutlichen, was er meint: "And you so numb, you watch the cops choke out a man like me / Until my voice goes from a shriek to whisper, 'I can't breathe'."

Killer Mike und El-P haben noch nie zugängliche Musik produziert. Auch "RTJ4" hat nur mit zwei zugedrückten Augen Hits zu bieten. "Ooh LA LA" und "Pulling The Pin" besitzen annähernd eingängige Kehrverse. Die elf Stücke zeichnen sich aber vor allem durch ihre Lautstärke aus. Statt auf Melodien setzen die Instrumentale auf übereinandergestapelte Schichten.

Video: Run The Jewels feat. Greg Nice & DJ Premier – Ooh LA LA

Percussions unterstützen in "Goonies Vs. ET" zaghaft den Drum Loop. Kurz vor Ende macht ein harter Breakbeat den relaxten Groove zunichte. In "Holy Calamafuck" untermauert eine düstere Synthie-Orgel die bedrohliche Atmosphäre. Um die unangenehme Stimmung zu vervollständigen, spuckt eine Kinderstimme heftige Flüche aus. Wer nicht auf beiden Ohren taub ist, spürt den Kloß im Hals. Industrial trifft auf Alternative-Hip-Hop. Es kann kein Zufall sein, dass ein Stück wie "Pulling The Pin" an El-P-Klassiker wie "Stepfather Factory" erinnert.

"Look at all these slave masters posing on your dollar", heißt es im Chorus von "JU$T". An der Seite von Pharrell Williams und Zack de la Rocha geht Killer Mike hart ins Gericht mit der Geschichte der Vereinigten Staaten. Noch immer prangen ehemalige Sklavenhalter auf den Geldscheinen. Im fast siebenminütigen Abschlussstück "A Few Words For The Firing Squad (Radiation)" kotzt sich das Duo aus, bis sich nichts mehr im Magen befindet: "I used to wanna get the chance to show the world I'm smart / Isn't that dumb? I should've focused mostly on the heart."

Welchen Einfluss Run The Jewels mittlerweile trotz oder gerade dank ihrer unangenehmen Wahrheiten haben, zeigt die Gästeliste. Neben der Soul-Legende Mavis Staples steuert ein Rock-Superstar wie Josh Homme Gitarrenspuren bei. Doch Run The Jewels bewegen sich nicht nur im Mainstream. Mit Greg Nice und DJ Premier vergessen sie auch ihre Wurzeln im Hip-Hop-Untergrund nicht.

Natürlich erfordert es in diesen Zeiten keinen Mut, ein Album wie "RTJ4" mit fünf Sternen zu belohnen. Doch so packend wie Run The Jewels fangen derzeit keine anderen Künstler_innen den Zeitgeist inhaltlich und musikalisch ein.

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