The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust

The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust

Saul Williams

Redaktionswertung: 
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sehr gut

Trent Reznor ist ein Egomane. Reznor will nicht nur die musikalische Kontrolle in Händen halten, er neigt dazu sich in den Vordergrund zu drängen. Da hat es selbst Saul Williams mit all seiner Wortgewalt schwer sich Gehör zu verschaffen.

Keine Gelegenheit lässt Trent Reznor, im Hauptberuf Nine Inch Nails, im Moment aus, um kundzutun, wie sehr er das Internet liebt und wie froh er ist, dass sein Vertrag mit Interscope ausgelaufen ist. Natürlich war auch Reznor Mitglied der kürzlich geschlossenen Torrent-Site Oink und selbstredend hält auch er die Site für den besten Plattenladen der Welt. Mit seiner fortwährenden Medienpräsenz hat er es sogar geschafft, die Vorberichterstattung über die Veröffentlichung seiner Zusammenarbeit mit Saul Williams zu beherrschen.

Selbst auf dem Album versucht Reznor Williams immer wieder in eine bestimmte Richtung zu pushen. Viel zu oft presst er ihn in ein traditionelles Songschema, dabei läuft Williams seit seiner Kollaboration mit DJ Krust immer dann zu großer Form auf, wenn er sich an solche (Maß-)Regeln nicht halten muss. Die Dringlichkeit von Williams früheren Arbeiten, das mitreißende Moment seiner Assoziationsketten und Ereiferungen geht "Niggy Tardust" fast völlig ab. Stattdessen poppige Beliebigkeit, zuckersüße Melodien und eine hochnotpeinliche "Sunday Bloody Sunday"-Coverversion.

Mag Reznor auch noch so sehr darauf spekulieren, das schwarze Pendant zu David Bowies "Ziggy Stardust" ist dieses Album jedenfalls nicht. Für Saul Williams mag die Rechnung im Endeffekt doch aufgehen. In dem er sich Reznors Händchen für Düsterpop überantwortet, gelingt ihm sein zugänglichstes Album.

Florian Schneider / Tonspion.de

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