Bam Bam

Seeed - Bam Bam

Redaktionswertung: 
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Auf  ihrem ersten Album seit dem Tod von Demba Nabé, "Bam Bam", schalten Seeed einen Gang zurück. Das steht der Musik ausgesprochen gut.

Es beginnt mit einem melancholischen Gitarren-Loop, den Percussions ergänzen. Gewollt verlorene Bläser spielen sich kurz in den Vordergrund und verschwinden nach wenigen Takten wieder. Dazu singen Peter Fox und Dellé verträumte Zeilen über das Leben und die Zeit, die noch bleibt: "Die Sonne kommt, es geht von vorne los / einfach so, goldene Karte".

Seeed haben ihren Album-Opener "Ticket" dem 2018 verstorbenen Bandmitglied Demba Nabé gewidmet. Am Ende des dazugehörigen Videos ist er beim Tanzen zu sehen. Seeed-Alben starten normalerweise lauter, doch darüber wird sich niemand beschweren. Stilvoller und berührender hätte die zehnköpfige Band ihr fünftes Studioalbum "Bam Bam" nicht einläuten können.

Video: Seeed – Ticket

Danach geht es im gewohnten Tonfall weiter. Mit einem schweren Bass und einem Vocal-Sample erinnern Seeed auf "G€LD" an Die Antwoord. "Money, Money macht Harlem weiß", prangert Peter Fox die Gentrifizierung im New Yorker Stadtteil an. Party funktioniert auf "Bam Bam" mit inhaltlichem Input.

Dabei entscheiden Seeed, ob und wann die Feier steigt. Während sich das ausgelassene Tanzvergnügen zum Trennungs-Blues "Lass sie gehn" noch in Grenzen hält, darf zur albernen Altmänner-Sex-Hymne mit Deichkind auf eben deren Niveau abgespackt werden. Überhaupt nehmen die Gäste viel Raum ein. So wie Trettmann, der Ronny auf "Immer bei dir" mit "#DIY" verbindet.

Video: Seeed - G€LD

Musikalisch bewegt sich "Bam Bam" im Vierreck aus Hip-Hop, Dancehall, Reggae und Dub. Klare Grenzen zwischen den Genres ziehen Seeed nicht. Zu "Komm in mein Haus" könnte Max Herre den Udo Lindenberg mimen, "Love & Courvoisier" erinnert mit karibischen Rhythmen an Pauschalurlaub und auf dem dramatischen "What A Day" packt Peter Fox den Weltschmerz tankenden Crooner aus.

"Alle fünf Minuten ein Hype", klagt Peter Fox auf "Immer bei dir". Seeed spielen die Hitparaden-Scharade diesmal nicht mit. Auf "Bam Bam" bleibt der ganz große Knall aus, den der Titel verspricht. Das macht die Platte zu einem Grower, der sich langsam entfaltet, aber lange bleiben wird. Im Gegenzug müssen Schönwetter-Fans auf schnelle Hits im Stile von "Dickes B" oder "Ding" verzichten.

Video: Seeed – Lass sie gehn

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