Sevendust - All I See Is War

Sevendust - All I See Is War

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Aus den Nu-Metal-Ruinen sind Sevendust schon längst auferstanden. Ihr neues Album „ All I See Is War“ erfindet das Rad nicht neu, dreht es aber verflucht gut.

Es ist erstaunlich, wie sehr sich die regionale Wahrnehmung von Künstlern aller Globalisierung zum Trotz noch unterscheidet: Hierzulande gilt die 1994 in Atlanta gegründete Band eher als Thema für Experten denn für die breite Masse, in den USA gehört sie zu den großen Nummern im alternativen Rock/Metal-Zirkus. Auf ihrem zwölften Album „All I See Is War“ demonstrieren Sevendust nun, wie wohl sie sich in ihrer Haut fühlen.

Video: Dirty

Dass sich Hauptsongwriter Clint Lowery mit tiefer gestimmten Riffs in der Schnittmenge zwischen Korn und den Deftones auskennt, wissen wir. Und Sänger Lajon Witherspoon gehört dank jeder Menge Soul in den Stimmbändern zu den besten seines Fachs. 2016 folgt dafür sogar die öffentliche Anerkennung in Form einer Grammy-Nominierung für „Thank You“ vom letzten Album „Kill The Flaw“.

Beim Nachfolger gönnen sich die Musiker den Luxus, ihren Arbeitsprozess keinerlei zeitlichen Vorgaben zu unterwerfen. Wenn es acht Monate dauert, bis die neuen Kompositionen gut genug sind, dann läuft das eben so. Genau diesen Aufwand hört man "All I See Is War" an: Wo andere krampfhaft neue Wege und Ausdrucksformen suchen, verlassen sich Sevendust auf ihre Stärken und stellen sie in den Vordergrund. Das heißt allerdings auch: Großartige stilistische Veränderungen sucht man auf dem neuen Album vergebens.

Video: Not Original

Dafür wird der Hörer mit etlichen bis ins Detail ausgereiften, eingängigen Songs belohnt. „Risen“, „Unforgiven“ oder der Opener „Dirty“ sind treibende Rocker mit jeder Menge wuchtigem Groove und satten Hooklines, kleine Epen wie „Moments“ oder „Descend“ könnten auch im Radio eine gute Figur machen.

Neue Zutaten sind es nicht, aus denen Sevendust „All I See Is War“ zusammenmixen. Es liegt eben eine Kunst darin, aus Bewährtem etwas Leckeres zu zaubern. Wer seinem musikalischen Gaumen Gutes tun mag, der darf sich ruhigen Gewissens an „All I See Is War“ herantrauen. Den Fans wird dieses Album ohnehin munden wie Muttis Sonntagsessen.

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