This Is Acting

This Is Acting

Sia

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Bei "This Is Acting", dem vierten Album von Sia, ist der Name Programm. Es besteht ausschließlich aus Songs, die eigentlich für andere MusikerInnen bestimmt waren. Das hört man...

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Ohne das Wissen um diesen besagten schauspielerischen Kontext müsste man sich fragen, wo die Sia abgeblieben ist, aus deren Feder so wunderschöne Popperlen wie "Soon We'll Be Found" oder "Natale's Song" stammen. Denn davon ist jeder einzelne Song auf "This Is Acting" weit entfernt.

Ah, da ist sie ja! Genau dort. Irgendwo unter der großen Perücke. Oder unter dem übergroßen Hut mit eingebauter Vorhangfunktion.

Menschen, die einem Früher nachhängen, werden häufig nur müde belächelt. Tja, so darf ich mich heute wohl müde belächeln lassen. Denn bevor der böse Mainstream kam, bevor "Chandelier" und das dazugehörige Video in einen kollektiven Pop-Kanon einzogen, hat Sia Fowler großartige Songs geschrieben. Vor allem für sich selbst. Welches Lied hätte besser zum perfekten Ende der fast perfekten Serie "Six Feet Under" gepasst als Breathe Me?

Und selbst das wurde irgendwann von einer Soundtrack-Welle mitgerissen, um halbgare, pseudodramatische Momente in Serien und Realityshows zu untermalen.

Nun gut. Sia ist auch bekannt als Songschreiberin, als Hitlieferant für Rihanna, Beyoncé & Co. Genau an diesem Punkt setzt "This Is Acting" an: "Es ist ein bisschen wie Schauspielern, das macht Spaß." Im Interview mit dem britischen NME erklärt Fowler, sie habe alle Songs des Albums ursprünglich für andere Künstler geschrieben. Die erste Auskopplung "Alive" war zum Beispiel für Adele gedacht.

Damit sei der Albumtitel selbsterklärend: "Ich hab es 'This Is Acting' genannt, damit ich nicht auf die Idee komme, das sei etwas das ich sagen würde". Und damit der Hörer nicht auf die Idee kommt, das sei etwas, was Sia sagen/singen würde. Zumindest aber kann sie so etwas schreiben.

Wo ist Sia?

Klischeebeladene, formelhafte Songs mit viel Schischi, die von Fussspuren im Sand, Mondenschein, tollen Hintern oder Ausgehritualen am Wochenende handeln. Sie sind derart formelhaft, dass aus "Unstoppable" sehr gut ein zweites "Chandelier" hätte werden können.

Im Radio funktioniert das bestimmt wunderbar. Die teilweise penetranten Vocals und Melodien setzen sich sofort fest. "Cheap Thrills" ist sogar tatsächlich eine von wenigen eher angenehmen musikalischen Überraschungen. Die Mehrzahl ist jedoch einfach zu beliebig - ein bisschen wie Fließbandware.

Sia ist eine Vollblut- Musikerin. Es wäre toll, wenn man das wieder hören könnte. In Songs, die auf ihrem persönlichen Erleben und den eigenen Gefühlen basieren. Meinetwegen darf das nächste Album dann auch gern "This Is Not Acting" heißen. Oder einfach nur Sia. Ohne Perücke und/oder Hut. Ohne Formel.

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