Sinkane - Depayse (Artwork)

Sinkane - Dépaysé

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Wer mit Sinkane und seinem Schaffen vertraut ist, denkt wohl nicht zuerst an Stadion-Rock, dürfte gleichzeitig aber auch nicht davon überrascht sein, diese Einflüsse auf dem neuen Album zu hören. "Dépaysé" ist der nächste Schritt in der stetigen Weiterentwicklung eines besonderen Künstlers und ein Album für die geschundene politische Seele. 

Ahmed Gallab alias Sinkane hätte wohl allen Grund dazu, wütende und politisch aufgeladene Musik zu machen. Ob nun aufgrund der politischen Situation in seinem Heimatland Sudan oder seiner Rolle als schwarzer Muslim in den USA der Version 2019. Und in den ersten Momenten denkt man tatsächlich, er hätte sich von den Jazz-Funk-, Kraut- und Psychedelic-Rock-Entwürfen der Vergangenheit losgesagt und dabei Harmonie und Hoffnung gegen einen aggressiven Grundton eingetauscht. 

Auf "Dépaysé" hat tatsächlich der Stadion-Rock Einzug erhalten. Sinkane präsentiert sich und seine Band druckvoller, lauter und auch ein Stück weit bestimmter, hält sich aber immer gekonnt von Vorwürfen, Angriffen und unterschwelliger Kritik fern und setzt stattdessen auf ein klares Soundbild und noch klarere Aussagen. Diese Aussagen zeigen auf, mit welchem Menschen wir es bei Ahmed Gallab zu tun haben. Einer der Menschen, der trotz schlimmster eigener Erfahrungen weiterhin an das Gute im Einzelnen und der Gemeinschaft glaubt. Klingt für den ein oder anderen mit Sicherheit anstrengend, funktioniert im Fall von "Dépaysé" aber tatsächlich sehr gut.

Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob die Zeiten vorbei sind, in denen man an Harmonie und Hoffnung appellieren sollte. Ein Sinkane-Album ist nur schlichtweg der falsche Ort dafür. Politische Protest-Alben gibt es - der britische Rapper Slowthai hat kürzlich mit "Nothing Great About Britain" ein wunderbares Beispiel dafür vorgelegt.

Dabei ist es gerade jetzt so einfach, sich druchgängig in Zynismus und Pessimismus zu verlieren. Das mag dazu führen, dass ein erster Zugang zu Alben wie "Dépaysé" schwierig scheint, diese Art der Musik aber momentan einen ganz eigenen Wert entfaltet.

Musikalisch bleibt Sinkane immer er selbst - und muss sich wohl gerade deshalb ständig neu erfinden. Und um abschließend auf unsere Review zu "Life & Livin' It" von 2017 zurückzukommen: Es wird Zeit, dass dieser großartige Musiker endlich den Ruhm und Respekt bekommt, den er längst verdient.

Sinkane - Depayse (Artwork)

Sinkane

Sinkane müsste wohl der persönliche Feind jedes Journalisten sein, immerhin weigert sich der gebürtige Sudanen stetig, sich auch nur im Ansatz in irgendein Genre einordnen zu lassen. Glücklicherweise ist seine Musik dadurch einzigartig und lässt einen daran verzweifeln, dass er bis heute nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommt. 

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