Lonerism

Lonerism

Tame Impala

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Mehr „Retro“ geht dieses Jahr nicht. Tame Impala haben ihren staubigen Psychedelic-Rock für „Lonerism“, Album Nummer zwei, noch einmal mit dicker Patina überstrichen. Dass das Album trotzdem nicht von vorgestern klingt, liegt an Wirrkopf Kevin Parker und seinem Händchen für die großen Melodien.

„Inner Speaker“, das Debütalbum von Tame Impala war ein seltsamer Solitär. 60ties Referenzen en masse, sogar ein Leslie-Verstärker war irgendwo schwer atmend am Rotieren. Wenn schon Retro, dann richtig, scheint Kevin Parkers Motto zu sein, denn Tame Impala ist vor allem sein Brainchild. Bis auf zwei Songs hat Parker „Lonerism“ eingespielt und sich lediglich beim Mix auf fremde Hilfe verlassen. Beinahe müßig zu erwähnen, dass auch dieses psychedelische Meisterwerk dabei durch die Hände von Dave Fridman (Flaming Lips, MGMT, Mercury Rev, Wolf Gang, ...) ging.

Dabei hören sich Tame Impala immer noch so fett und breitbeinig wie eine Horde Wüstenrocker an. Wenn sie wie in „Elephant“, aus dem Canyons Wooly Mammoth Remix tatsächlich noch ein bisschen mehr herauskitzeln kann, die Gitarren so tief hängen wie Pentagram, könnte man sie fast für Nachfahren der Düsterrocker halten. Gleichzeitig ist Parker aber ein hoffnungsloser Melodiefanatiker, der seine Beatles aus dem Eff-Eff beherrscht, und sich deshalb nicht mit einer Stilrichtung, einem Genre zufrieden gibt.

So ist auch „Lonerism“ eine Zeitreise durch zwei Jahrzehnte Rockmusik, aus der Perspektive der 10er Jahre, in denen ein einzelner Typ so klingen kann, als würde er ständig mit fünf Mann im Studio jammen. Instagram-Rock, den der NME zum Album des Jahres 2012 gekürt hat. Soweit würde ich nicht gehen, satthören kann man sich an Tame Impalas Filterrock trotzdem nicht!

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