Texta - Nichts dagegen, aber

Nichts dagegen, aber

Texta

Redaktionswertung: 
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Texta, die Rap-Urgesteine aus Linz sind zurück und schießen dem geneigten Hörer ihren oberösterreichischen Slang auf 14 neuen Tracks geschmeidig durch die Gehörgänge. Und kritisieren dabei die Tendenzen in ihrer Heimat.

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Nachdem Texta zuletzt mit Blumentopf kollaborierten, gibt es jetzt mit "Nichts dagegen, aber" wieder ein reines Texta-Album, das die Österreicher per Crowdfunding finanziert haben. Der Titel, welchen man sogleich mit aktuellen Argumentationsmustern assoziiert, ist nicht zufällig gewählt, denn der neueste Streich aus Linz möchte die österreichische Gesellschaft unter die Lupe nehmen und Nationalismen bloßstellen. Dass dafür ausschließlich Samples heimischer Musiker verwendet wurden, ist konsequent und darf gerne als schelmisches Zwinkern in Richtung verklärter Heimatliebe gesehen werden.

 

Die erste Single "Ois Ok Mama" ist gleichzeitig auch der Opener des Albums und zeigt mit Zeilen wie "Mach' koan Krawall, a braver Bürger macht koan Lärm / nur ned rebellieren, weil des hamma ned so gern", wohin die Reise geht: in die heile Welt, ins Spießbürgertum, in ein von vorne bis hinten reguliertes Leben.

Sprachlich ist es als Nicht-Österreicher nicht immer einfach, den Lines zu folgen, Texta haben aber ab und an auch ein Einsehen mit ihren piefigen Nachbarn und servieren komplett auf Hochdeutsch gerappte Tracks wie "Schweben im Nirgendwo" und "Alpenraps". Letzterer basiert auf dem Song "Alpenrap" der EAV und arbeitet die österreichische Rapgeschichte - bis hin zu aktuellen Künstlern aus dem Alpenland wie Gerard, Chakuza oder Money Boy - auf.

Texta rackern sich dabei hauptsächlich auf Samples ab, welche sie sehr old-schoolig interpretieren und die ihre Herkunft aus den 90ern aufgreifen, dennoch haben sie auf "Nichts dagegen, aber" auch den ein oder anderen trappigen Beat gepackt. "Waunimadeng" knallt dem Hörer beispielsweise einen astreinen US-Club-Sound um die Ohren.

Die Lyrics von Texta bleiben immer originell, haben Tiefgang, aber klagen nicht direkt und stumpf an. Vielmehr schlüpfen die Linzer in verschiedene Rollen und kommunizieren daraus ihre Positionen. Besonders kritisch kommt "Butter vom Brot" um die Ecke, das die Macht von Wirtschaft und Konzernen kommentiert.

Das textlich sehr homogene Album wirkt allerdings mehr wie ein Mixtape, was natürlich an der ambitionierten Aufgabe lag, sich quer durch die österreichische Musiklandschaft zu samplen. Dennoch ist Texta einmal mehr ein Album gelungen, das trotz ihres Status als Urgesteine noch äußerst fresh klingt und gleichzeitig inhaltlich tiefer geht als viele andere Rap-Releases.

Danke Texta, jetzt bekommen eure Nachbarn auch mal mit, was in der Alpenrepublik so abgeht.

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