Thomas Bernhard: Städtebeschimpfungen

Thomas Bernhard - Städtebeschimpfungen

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Keiner beherrscht die Kunst der Beschimpfung so gut wie der österreichische Grantler Thomas Bernhard: Der großartige Schriftsteller hat sich nicht nur an Politiker und Zeitgenossen abgearbeitet, auch diverse Orte lösten geradezu Hass in ihm aus. Zu hören ist das in seinen gesammelten "Städtebeschimpfungen".

Dass Thomas Bernhard sich vor allem über seine Heimat Österreich ausließ, ist bekannt: Doch auch andere Ortschaften wurden von ihm leidenschaftlich gehasst wie in dem höchst amüsanten Hörbuch "Städtebeschimpfungen" zu hören ist – brillant gelesen von dem großen Peter Simonischek ("Toni Erdmann"). 

In alphabetischer Reihenfolge bekommen Städte wie Augsburg – das "muffige verabscheuungswürdige Nest" – bis Wien – "eine entsetzliche Talentezertrümmerungsanstalt" – gleichsam demokratisch wie gnadenlos den Spiegel vorgehalten. Das Provinzielle und Kleinbürgerliche regte Bernhard dabei am meisten auf und er ergießt seine Verachtung über solche Orte so:

"Wie hasse ich diese mittelgroßen Städte mit ihren berühmten Baudenkmälern, von welchen sich ihre Bewohner lebenslänglich verunstalten lassen. Kirchen und enge Gassen, in welchen immer stumpfsinniger werdende Menschen dahinvegetieren. Salzburg, Augsburg, Regensburg, Würzburg, ich hasse sie alle, weil in ihnen jahrhundertelang der Stumpfsinn warmgestellt ist".

Auf drei CDs mit einer Länge von 3 Stunden und 8 Minuten lauscht man nicht nur polemischen Zuspitzungen, sondern auch historischen Einschätzungen sowie einem unermüdlichen Kampf gegen den Stumpfsinn und die Borniertheit. In den "Städtebeschimpfungen" konzentriert sich auch die sprachliche Schärfe Bernhards, der wie kaum ein anderer pointiert zuspitzen und mit Worten spielen könnte.

Insofern wäre es ziemlich spannend zu hören, was Bernhard heute über Orte wie München oder Dresden zu sagen hätte und man wünscht sich seinen blankgeputzten Spiegel der bitteren Erkenntnisse herbei. Was immerhin bleibt – er inspirierte nicht nur heutige Schriftstellerkollegen wie Andreas Maier, sondern auch Musiker wie die Band Tocotronic, in dessen Tradition "Freiburg" oder "Aber hier leben, nein danke" stehen: "Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse, Tanztheater dieser Stadt". Der Kampf geht also weiter.

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