Tracy Chapman – Tracy Chapman

Tracy Chapman - Tracy Chapman

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Sie sang “Talkin’ Bout A Revolution” und startete selbst eine: Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum, das 1988 leise und doch so eindringlich auf die große Weltbühne gehievt wurde, gelang Tracy Chapman ein zeitloser Klassiker im Singer-Songwriter-Genre.

Eine Panne begründete die Weltkarriere von Tracy Chapman: Am 11. Juni 1988 fand im Wembley-Stadion in London ein Solidaritätskonzert für den inhaftierten südafrikanischen Politiker Nelson Mandela statt, an dem neben Stars wie Sting, Eurythmics oder Peter Gabriel auch viele noch unbekannte Künstler teilnahmen.

So auch Chapman, die jedoch ein zweites Mal spontan einspringen musste, weil Stevie Wonder technische Probleme hatte. Unvergessen ist der Moment, in dem sie alleine und nur mit ihrer Akustik-Gitarre den berührenden Song „Fast Car“ sang. Am Anfang noch mit brüchiger Stimme und dann immer selbstbewusster. Selten konnte man in der Musikgeschichte einen solchen Breakout-Moment live miterleben und alle, die damals vor dem Fernseher saßen wussten dies sofort.

Video: Fast Car (Nelson Mandela 70th Tribute Concert, Live 1988)

Das Debüt beschäftigt sich oft wie auch in „Fast Car“ mit dem Leben derer, die nicht am American Dream in der George H. W. Bush-Ära teilhaben konnten: Soziale Probleme und das Deprimierende im Alltag packt Chapman in folkige und sparsam mit Gitarre, Percussions oder E-Violine instrumentierte Songs, die allesamt eine kleine eigene Welt voller Geschichten ohne Kitsch skizzieren.

Allein diese Tatsache, dass ein Debüt mit schlichten Songs ohne PR-Apparat sowie Musikvideos dahinter sowohl in Großbritannien, den USA und in Deutschland Platz eins der Charts erreichte, macht das Album zur Revolution.

Video: Talkin’ Bout A Revolution

Neben den bekannten Hits ist das Album aber zudem voller rührend kompromissloser Songs für die Unterdrückten wie „She’s Got Her Ticket“, das aufrüttelnde „Why?“ mit in #MeToo-Zeiten immer noch brandaktuellen Zeilen wie „Why is a woman still not safe / when she's in her home“ oder das an Prince erinnernde minimale „Mountains O’ Things“.

All diese Lieder Chapmans, die in den synthpoplastigen und Hair-Metal-verseuchten Achtzigern wie Fremdkörper gewirkt haben mussten, wurden vom Publikum wohl aber gerade darum wahrgenommen und dann voller Zuneigung umarmt.

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