Tua - Tua (Artwork)

Tua - Tua

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Zehn Jahre in zwölf Songs verarbeitet: Tua veröffentlicht das wichtigste Album seiner Karriere und liefert damit einen Soundentwurf, der als Blueprint für kommende deutsche Popmusik gesehen werden muss. 

Tua - Wem mach ich was vor

Marteria und Casper haben 2010 bzw. 2011 eine neue Tür für Deutschrap aufgestoßen, zuvor musste Tua aber in mühevoller Kleinstarbeit das Schloss knacken. Diese Metapher mag schmerzen, trifft aber immerhin den Kern. Denn die musikalische Offenheit und die emotionale Ehrlichkeit die deutschem Rap ihren Mainstream-Sprung ermöglichen sollte, wurde mit Tuas "Grau" 2009 beinahe mit dem ersten Versuch perfektioniert. Diese Erkenntnis kam für viele von uns erst Jahre später. So wurde Tua zum Vorreiter, Szeneliebling und Lieblingskünstler deines Lieblingskünstlers - der große Erfolg blieb jedoch aus. 

10 Jahre hat man nun auf den Nachfolger zu "Grau" gewartet und dabei dürften nicht wenige von uns vergessen haben, worauf sie denn genau warten. Auf den nächsten Meilenstein, den Versuch einer exakten Gefühlskopie oder doch einfach nur auf den kommerziellen Durchbruch, den man ihm als verspätete Belohnung wünschen würde? Zwischen Dubstep und Gesangsprojekten hatten die Tua-EPs der vergangenen Jahre immer ihren eigenen Reiz. Doch auch wenn man nicht so sein möchte, ertappt man sich selbst immer wieder bei der Frage, was denn wäre, wenn Tua mal wieder ein "richtiges" Album machen würde. 

Nun hat Tua also dieses Album geliefert. Es muss ein großes Machwerk werden und tut sich mit dem Titel "Tua" in dieser Hinsicht auch keinen Gefallen. Und zu all der Vorfreude dürfte sich für alle Langzeitfans ein bisschen Sorge gesellen: Kann Tua überhaupt die Erwartungen erfüllen?

Wer die erste Single "Vorstadt" gehört hat, konnte diese Frage wohl nur bejahen. Eine biografische und musikalische Laufbahn auf 4 Minuten heruntergebrochen. Drei Soundgewänder vereint und damit Aushängeschild für das Album. Tua schafft ein Triptychon, unterteilt das Album in drei Episoden und liefert mit "Gloria" auch hierzu wieder eine vertonte Metaebene. Die 12 Tracks beleuchten all das, was Tua - zumindest auf Solowegen - in den letzten 10 Jahren musikalisch getrieben hat. 

Video: Tua - Vorstadt

Triptychon, Metaebenen - auf den ersten Blick scheint es durchaus so, als hätte sich Tua an der Aufgabe "Grau-Nachfolger" überhoben und sich zu sehr in Konzepten und Ästhetik verloren. Wäre da nicht die Musik. Denn "Tua" wirkt so, als würden die Songs selbst noch aushandeln, wohin die musikalische Reise gehen soll. Die vergangenen Projekte werfen einzelne Soundbeispiele oder Genreargumente ein, jeder will seinen Redeanteil - ob es Drum'n'Bass-Zitate, verkopfter Elektro oder klassische Gesangseinlagen sind. 

Pop-Ohrwumhooks ("Dana"), Field-Recordings, House-Beats, Akustik-Momente - Tua macht alles. Und das funktioniert. Trotz größer musikalischer Sprünge greift hier alles ineinander und zeigt - ohne dabei zu gewollt zu wirken - eine komplette künstlerische Bandbreite und einen kompletten Künstler auf. Wie schön, wenn man den eignen Namen dann noch nicht für den Titel des Debütalbum verballert hat. 

"Tua" wird nicht den selben Einfluss auf die Rapszene haben wie einst "Grau". Dafür ist es schlichtweg zu weit vom Genre entfernt. Stattdessen bleibt zu hoffen, dass dieses Album als Vorbild für die kommende, deutsche Pop-Generation dienen kann. "Tua" steht für sich selbst und könnte dennoch der "Grau"-Thronfolger werden. Denn auch wenn das Album zwischen Feuilleton und Szeneliebling kursieren dürfte, wird es in der breiten Öffentlichkeit wohl kaum als das wahrgenommen werden, was es ist: eines der besten deutschsprachigen Alben der letzten 10 Jahre.

Erleichterung für all diejenigen, die sich Sorgen gemacht haben: es regnet immer noch.

▷ Tua: Bio, Songs, Alben, Download & Tour

Tua - Tua (Artwork)

Tua

Deutschlands bester Rapper macht keinen Rap - so oder so ähnlich klangen in der Vergangenheit Sätze, die mit Tua in Verbindung gebracht wurden. Als 1/4 der Orsons hat er seine Fähigkeiten oft genug unter Beweis gestellt, um auf Solowegen in immer andere, neue Richtungen zu gehen. 

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