Two Door Cinema Club - False Alarm (Artwork)

Two Door Cinema Club - False Alarm

Redaktionswertung: 
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Begriffe wie "Neuerfindung" sind vor allem im Indie-Kosmos mit Vorsicht zu genießen. Mit Disco, 80s-Pop und jeder Menge Stilsicherheit machen Two Door Cinema Club deutlich, dass man auch 10 Jahre nach dem Debütalbum nochmal zu einer völlig neuen Band werden kann. 

"We’re going places, you’re coming with us" ließ Alex Trimble auf der Single "Satellite" verlauten. Und damit sollte er Recht behalten. Denn gegen den Stilwandel, den uns Two Door Cinema Club auf "False Alarm" präsentieren, kann sich niemand so recht wehren - sollte man aber auch nicht. Das Indie-Genre krankt seit jeher daran, dass Bands ihrem eigenen Erfolgsrezept ewig treu bleiben und nach dem dritten Album still in der Versenkung verschwinden. Dass auf "False Alarm" wirklich alles anders sein wird, hat bereits die exzentrische und eigenwillige Covergestaltung gezeigt, die doch bisher so gar nicht ins bisherige Cinema Club (Selbst-)Bild gepasst hätte. 

Manche Indie-Kids müssen stark sein, denn mit dem neuen Album machen TTCC endgültig die Tür für eine mögliche Rückkehr zum "Tourist History"-Sound hinter sich zu. Die bekannten Elemente blitzen hier und da durch, aber Trimble, Baird und Halliday haben Bock auf Pop, Disco und Funk. Mal meint man den Groove der besten Phoenix-Zeiten zu hören, mal lässt sich ein Daft Punk-Einfluss vermuten und hinter den mutigsten Momenten der neuen Platte hätten auch Depeche Mode stecken können. 

Diese Neuerfindung lässt sich am besten an Alex Trimbles Stimme festmachen. Die gibt im einen Moment alles, um ein bisschen wie David Bowie zu klingen, nur um im nächsten Moment Alex Kapranos ein bisschen zu nahe zu kommen. Heimliches Highlight: "Already Gone" und der Falsett-Stil, den man normalerweise Tame Impalas Kevin Parker zuschreiben würde. 

All dieses Experimentieren, das Zusammentragen der Einflüsse und der zweite Versuch der Neuerfinung hätte schnell ins Lächerliche geraten können, funktioniert auf den 10 Tracks von "False Alarm" aber besten. Das liegt daran, dass die neuen Soundentwürfe zwar durchaus eigenwillig, jedoch zu keinem Zeitpunkt überambitioniert daherkommen. 

Wieso findet also das dritte Album "Gameshow" hier keine Erwähnung, haben TTCC doch damals bereits die eigene Neuerfindung versucht und vielleicht sogar den Grundstein für den "False Alarm"-Stil gelegt? Auf dem dritten Album klang diese Neuerfindung erzwungen und verkrampft - eine Eigenschaft, die einer Band wie TTCC schlichtweg nicht gut stehen kann. "False Alarm" ist das Album, das "Gameshow" 2016 hätte sein sollen / müssen. Und Two Door Cinema Club machen auch 10 Jahre nach "Tourist History" noch verdammt viel Spaß. 

Two Door Cinema Club - False Alarm (Artwork)

Two Door Cinema Club

Über 10 Jahre durchgängig relevant zu bleiben, ist in der heutigen Zeit bereits eine Kunst für sich. Im Fall von Two Door Cinema Club könnt das daran liegen, dass sie konsequent gute Musik abliefern und sich zu einer Band entwickelt haben, die man beinahe sympathisch finden muss. 

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