Tyler, The Creator - Scum Fuck Flower Boy (Artwork)

Flower Boy

Tyler, The Creator

Redaktionswertung: 
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sehr gut

Tyler, The Creators neues Album wird zunächst durch eine Kontroverse um seine Sexualität überschattet. Achtet man jedoch auf die tatsächlich wichtigen Aspekte von "Flower Boy", so wird schnell klar, dass Tyler hier das vielleicht beste Album seiner Karriere veröffentlicht hat.

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Video: Tyler, The Creator - Who Dat Boy (feat. A$AP Rocky)

Coming Out? Schock-Strategie? Promo-Move? Tyler, The Creator hat die Musikwelt in den letzten Tagen ein weiteres Mal in Aufruhr versetzt. Auf seinem neuen Album "(Scum Fuck) Flower Boy", welches knapp zwei Wochen vor dem eigentlichen Release geleaked wurde, streut der ehemalige Odd Future Kopf mehrere Hinweise auf seine Homo-/Bisexualität. Konkret geht es dabei um die Songs "I Ain't Got Time" und "Garden Shed" und die folgenden Zeilen:

"Next line, I'll have em' like woah
I've been kissing white boys since 2004"

- Tyler, The Creator - I Ain't Got Time

"Them feelings I was guardin' / Heavy on my mind
All my friends lost / They couldn't read the signs
I didn't wanna talk and tell 'em my location
And they ain't wanna walk / Truth is, since a youth kid, thought it was a phase
Thought it'd be like the Frank; poof, gone
​But, it's still goin' on"

- Tyler, The Creator - Garden Shed

Tylers augenscheinliches Coming-Out mag zwar den ein oder anderen aufgrund vergangener Homophobie-Kontroversen zunächst verwundern, stellt aber aufgrund vergangener Tweets, Interviews und Referenzen auf älteren Tracks keine wirkliche Überraschung mehr da. Tyler sorgt für einen Aufschrei - leider geht dabei womöglich die Aufmerksameit für ein sehr starkes Album verloren. Let's talk about music. 

Tylers vergangege Projekte waren immer interessant, das Aushängeschild für seine Karriere erschien aber bisher noch nicht. "Goblin" war stellenweise zu kindisch, "Wolf" war ein wunderbar erzähltes Album, in Gänze aber schlichtweg zu lang und "Cherry Bomb" präsentiere zwar die beeindruckend musikalische Vielfalt Tylers, war aber aufgrund der Überproduktion und fragwürdiger Klangexperimente jedoch nur schwer als zusammenhängedes Projekt wahrnehmbar. Tyler bedeutet seit jeher: Viele Einflüsse, keine Kompromisse, (kontrolliertes) Chaos.

Audio: Tyler, The Creator - 911 / Mr. Lonely

Und tatsächlich wirkt es so, als hätte Tyler ein bisschen Ordnung in sein Chaos gebracht. Seine Einflüsse aus Jazz, Pop und Funk sind weiterhin klar hörbar, funktionieren aber wesentlich angenehmer miteinander, als es beispielsweise noch auf "Cherry Bomb" der Fall war. Tyler schlägt auf dem Album oftmals ruhigere Klänge an ("Where This Flower Blooms" / "Boredom" / "Glitter") aber auch den krachenden Tyler-Stil aus "Goblin"-Zeiten bekommen wir zumindest zwischendurch zu hören. Allen voran steht hier das A$AP Rocky Feature "Who Dat Boy", welches mit dem bitterbösen Instrumental, der stimmigen Energie zwischen Tyler und Rocky und dem wunderbaren Video defintiv zu den absoluten Highlights des Albums zählt.

Tyler hat scheinbar nicht nur mit seinen Gefühlen, sondern auch mit seinem Sound aufgeräumt: "Flower Boy" präsentiert sich stimmiger, strukturierter und in gewisser Weise auch erwachsener als alle vorherigen Projekte. Dies mag mit Sicherheit nicht jeden Tyler Fan glücklich stimmen, führt im Endeffekt aber dazu, dass sich "(SF)FB" mit "Wolf" ein Kopf-an-Kopf Rennen um den Platz als bestes Tyler, The Creator Album liefern darf. 

Tracklist:

01 Foreword (feat. Can & Rex Orange County)
02 Where This Flower Blooms (feat. Frank Ocean)
03 Sometimes... 
04 See You Again (feat. Kali Uchis)
05 Who Dat Boy? (feat. A$AP Rocky)
06 Pothole (feat. Jaden Smith)
07 Garden Shred (feat. Estelle)
08 Boredom (feat. Anna Of The North, Corinne Bailey Rae & Rex Orange County)
09 I Ain’t Got Time! 
10 911/Mr. Lonely (feat. Anna Of The North, Frank Ocean & Steve Lacy)
11 Dropping Seeds (feat. Lil Wayne)
12 November 
13 Glitter
14 Enjoy Right Now Today

"Flower Boy" von Tyler, The Creator erscheint am 21. Juli 2017 über Columbia Records.

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