Lights Out

Ufo361 - Lights Out

Redaktionswertung: 
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Ezhel und Ufo361 beanspruchen den Thron für sich. Ihr Kollaboalbum "Lights Out" trägt zum deutsch-türkischer Kulturaustausch bei.

Was Killa Hakan, Azra und Fuat nicht geschafft haben, erreicht Ezhel durch den Rückhalt von Ufo361: Mit türkischsprachigen Raps schlägt er im deutschen Mainstream auf. Wer den in Ankara geborenen Rapper aufgrund dieser Kollaboration als x-beliebigen Autotune-Rapper mit beschränkter Themenpalette abstempelt, sollte sich schämen. Für Ezhel ist Hip-Hop tatsächlich noch ein Werkzeug, mit dem er etwas verändern will.

2018 ging der 29-Jährige für einen seiner Songtexte in den türkischen Knast. Nach einigen Wochen wurde er unter Auflagen entlassen. Im September 2019 veröffentlichte er den regimekritischen Song "Olay". Das dazugehörige Video zeigt Bilder des Putschversuches in der Türkei von 2016. Wie passt das mit Ufos von Drogen beeinflussten Erzählungen über Ruhm, Frauen und Hater zusammen? Ziemlich gut, denn unabhängig von den politisch motivierten Songs, lässt Ezhel in seiner Musik die Sektkorken knallen.

Auf "Lights Out" dreht es sich dementsprechend um Ufos Lieblingsthemen. Es geht um Geld und die eine Frau, die keine Bitch ist. Langweilig wird es trotzdem nicht, da den Oberflächlichkeiten stets die Schattenseiten gegenübergestellt werden.

Video: Ufo361 & Ezhel – Schwarz & Weiss

"Ja, stimmt, Dicka, jeder macht Fehler / Zu viel Gin, Dicka, geht auf meine Leber", rappt Ufo in "Yemin Olsun". Während Zeilen wie diese noch als Witz interpretiert werden könnten, äußern sich die beiden im Anti-Drogen-Song "Zombie" eindeutiger: "Ja, mein Herz tot, ey / Kann nichts fühlen, Dicka, schmerzlos / Ey, kann nicht schlafen, Dicka, schlaflos / Ey, auf den Beinen, doch schon lange tot".

In Kombination mit dem düster-melodischen Klangbild wirken die Texte noch dringlicher. Die Drum-Loops knallen und die Bässe liegen schwer auf den spärlich eingesetzten Synthie-Sounds. Viele Songs besitzen Intros, Outros und Bridges, wodurch sie sich noch komplexer anfühlen.

Ezhel webt in seine Texte zwar immer wieder englische und sogar deutsche Worte ein, doch was er tatsächlich sagt, bleibt Hörerinnen und Hörern ohne Türkischkenntnisse verborgen. Die Sprachbarriere trägt allerdings zum Vibe des Albums bei. Zudem ergänzen sich die Stimmen der Rapper perfekt. Während Ufos nasaler Vortrag herrlich ignorant wirkt, klingt Ezhel jugendlich und energisch.

Nicht alles auf "Lights Out" ist frisch. Eine Soloversion von "Yemin Olsun" veröffentlichte Ezhel schon Anfang des Jahres. Doch das ist schnell vergessen, wenn das deutsch-türkische Duo "Wir sind Kral" ausruft und dazu königliche Battle-Raps abliefert. "Lights Out" bewirbt sich als eines der interessantesten Kollaboalben des Jahres.

Video: Ufo361 & Ezhel – Wir sind Kral

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