Vince Staples - Big Fish Theory (Artwork)
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Vince Staples - Big Fish Theory

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Seit seinem Debütalbum "Summertime '06" gehört Vince Staples zweifelsfrei zu den spannendsten Künstlern im US-Rap. Um den hohen Erwartungen gerecht zu werden hat er für "Big Fish Theory" eine beeindruckende Feature-Liste im und unerwartete Stil-Einflüsse im Gepäck.

Video: Vince Staples - Big Fish

10 Tracks, 2 Interludes, 36 Minuten Laufzeit. Für Rap-Verhältnisse im Jahr 2017 hält Vince Staples sein Album erfrischend kurz und prägnant. Die Devise "Qualität statt Quantität" schlägt auf "Big Fish Theory" voll ein: Keiner der Tracks fühlt sich überflüssig oder fehl am Platz an. Das Projekt funktioniert in seiner Gesamtheit und sorgt vielleicht auch gerade durch die kürzere Laufzeit für eine stärkere inhaltliche Wahrnehmung. Und warum sollte man die Tracklist auch unnötig erweitern, wenn nach 10 Tracks alles gesagt ist?

Thematisch befindet sich Staples nämlich genau am Zeitgeist und liefert wohl gerade deswegen in gewisser Weise auch "Protest Music". Was bedeuten Angst, Schmerz und Glück im Jahr 2017 und der damit verbundenen politischen Situation? Staples tritt in gewisser Weise in die Fußstapfen des "To Pimp A Butterfly"-Kendrick Lamar und präsentiert seine Politkkritik auf drastische Weise, ohne dabei jemals nur mit dem Zeigefinger zu wedeln.

Battle with the white man day by day / Feds taking pictures doing play by play / They don’t ever wanna see the black man eat / Nails in the black man’s hand and feet / Put him on a cross so we put him on a chain / Lying to me saying he don’t look like me

Vince Staples - Crabs in a Bucket 

Das Album liefert zudem eine ungeahnte musikalische Stilvielfalt. Die Vorabsingle "Big Fish" kann wohl noch am ehesten als "klassischer" Rap-Track bezeichnet werden, im Laufe des Albums begegnen uns jedoch Funk sowie R&B-Elemente ("Love Can Be...") und mit Tracks wie "Yeah Right" und "Party People" wohl auch Produktionen, die man in dieser Form aktuell auf keinem anderen Hip-Hop Album finden wird. Hämmerne Bässe, Industrielle Sound-Schnipsel und langgezogene Synthies - die Inspiration scheint auch zu einem großen Teil aus der elektronischen Musik zu kommen. Als bestes Beispiel hierfür dürfte wohl der Opener "Crabs in a Bucket" dienen. Mit leichter Variation könnte man das Slow-Techno Instrumental auch problemlose in den Berliner Clubs unterbringen. 

Vince Staples - Bagbak:

Um nun endgültig selbst zum "Big Fish" aufzusteigen hat sich Vince Staples sicherheitshalber auch tatkräftige Unterstützung auf sein neues Album eingeladen. Unter den Featuregästen und Produzenten finden sich unter anderem Bon Iver, Damon Albarn (Gorillaz), Kendrick Lamar, Flume und A$AP Rocky wieder. Diese verhalten sich auf dem Album mal mehr und mal weniger auffällig, fügen sich aber allesamt gut in den Gesamtstil ein.

Neben Rap-Aushängeschild Kendrick Lamar begeistert aber auch A$AP Rocky besonders: Der beinahe "stressige" Beat von "Samo" reißt ihn zwar in Gänze aus seiner gewöhnlichen Stil-Comofort-Zone, Rocky beweist jedoch ein weiteres Mal, warum er momentan zu den Größten im US-Rap gehört.

Eine besondere Erwähnung hat auch der Tracklist-Eyecatcher "Yeah Right" verdient. Mit Kendrick Lamar, Flume, SOPHIE und Kučka gibt es hier ein "Star-Treffen" das wohl kaum weniger nach klassischer Star-Power klingen könnte. Die Produktion mit dem erkennbaren Signature-Sound von Flume gehört mit zu den interessantesten auf dem Album und die Vince Staples - Kendrick Lamar Kombination funktioniert genau so gut wie man es sich bisher immer ausgemalt hatte.

"Big Fish Theory" hat vorallem eines: Energie. Ob Instrumentals, Flows oder Lyrics: Vince Staples gönnt sich auf dem Album kaum eine Pause und liefert neben einer erfrischenden musikalischen Vielfalt eben auch gesellschaftskritische Inhalte - textlich schlau und musikalisch böse verpackt. Damit macht er letztendlich das was sich die meisten Fans wohl erhofft haben dürften: Den Stil der vorangegangenen Veröffentlichungen beibehalten und mit ausgefalleneren Produktionen und einigen mutigen Elementen auf die nächste Stufe gehoben.

Am 21. 08 könnt ihr das neue Material bei einem exklusiven Konzert im C-Club Berlin erleben.

Tracklist:

01 Crabs in a Bucket (feat. Justin Vernon and Kilo Kish)
02 Big Fish (feat. Juicy J)
03 Alyssa Interlude
04 Love Can Be…
05 745
06 Ramona Park is Yankee Stadium
07 Yeah Right (feat. Kendrick Lamar and Laura Jane Lowther)
08 Homage (feat. Kilo Kish)
09 SAMO (feat. ASAP Rocky)
10 Party People
11 BagBak
12 Rain Come Down (feat. Ty Dolla $ign)

"Big Fish Theory" von Vince Staples erscheint am 23.06.2017 über DefJam.

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