After Hours

After Hours

The Weeknd

Album der Woche
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Während die Konkurrenz immer noch auf die Neunziger schielt, führt The Weeknd den R'n'B in die Zukunft. "After Hours" ist die Frischzellenkur, die das Genre braucht.

Irgendwo zwischen charttauglichem R'n'B und experimentellem Schlafzimmer-Pop hat sich The Weeknd einen eigenen Stil geschaffen. Auf "After Hours" führt er seinen Markenzeichen-Sound konsequenter denn je fort, was er bereits vor Monaten auf Twitter ankündigte: "No more daytime music."

Entsprechend prägen Melancholie und Trübsinn die Texte. Neben zwischenmenschlichen Tragödien berichtet der 30-Jährige von aussichtslosen Zeiten: "I used to pray when I was sixteen / If I didn't make it then I'd probably make my wrist bleed." Schwere Kost, die den oberflächlichen Mainstream-R'n'B lächerlich wirken lässt und zeigt, welch tiefe Emotionen das Genre tatsächlich vermitteln kann.

Doch allein durch die Lyrics konnte sich The Weeknd das Vertrauen der Musikwelt nicht erarbeiten. Der Sänger hat sich nie vor komplexen Arrangements gefürchtet, die seiner Performance alles abverlangen. Auf simple Loops, die sich lediglich im Kehrvers ändern, verzichtet der Sänger seit "House Of Balloons" von 2011.

Video: The Weeknd – Blinding Lights

Der Opener "Alone Again" baut sich langsam auf. Nach 80 Sekunden gesellen sich schwere Synthie-Flächen dazu. Erst nach zweieinhalb Minuten setzen die Drums ein. The Weeknd hat das auf den Klimax hinarbeitende Instrumental ab dem ersten Takt im Griff. Sein Falsettgesang legt sich wie ein weiteres Instrument über die Klänge.

In diesem Stil geht es weiter. Nichts auf "After Hours" setzt auf penetrante Wiederholung. Stattdessen überrascht die Musik immer wieder durch neue Spielereien. In "Too Late" experimentiert The Weeknd mit einem Stimmverzerrer, in "In Your Eyes" ergänzt er den Achtziger-Jahre-Vibe durch ein Saxofon und in "Escape From LA" klappern die Hihats nur an ausgewählten Stellen.

Die große Leistung, die The Weeknd gemeinsam mit Produzenten wie Mario Winans, Metro Boomin und Oneohtrix Point Never vollführt, liegt im Beibehalten der Zugänglichkeit. "After Hours" funktioniert für das verkopfte Musikhören, aber auch für den schnellen Hit. Während sich die einen lediglich über die Mitsing-Passage in "Scared To Live" freuen, applaudieren die anderen für diese Elton-John-Referenz: "I hope you know that, I hope you know that."

"She like my futuristic sounds in the new spaceship", haucht der Kanadier in "Snowchild". Tatsächlich befindet sich The Weeknd mit "After Hours" Lichtjahre von der Konkurrenz entfernt. Dass sich diese 14 ausgearbeiteten Stücke trotzdem ohne angestrengtes Zuhören entfalten, spricht für The Weeknds gesundes Verhältnis zum eigenen Nerdtum.

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