Wild Beasts / "Boy King"

Boy King

Wild Beasts

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Vor jedem Gang ins Studio scheinen Wild Beasts einmal die Reset-Taste zu drücken. Jedes Album ändert den Kurs, zeigt eine andere Vision. Die Brüche im Katalog der Band sind radikal und konsequent. Der Neuzugang macht hier keine Ausnahme.

Wild Beasts waren nie gefällig. Selbst in ihren poppigsten Momenten umgab sie stets etwas sperriges und eigentümliches. Das Eine kostete sie wahrscheinlich die ganz große Karriere, das Andere sorgt dafür, dass ihnen gewogen bleibt, wer sich einmal verliebt hat. Dank „Boy King“ könnten sich nun diese scheinbar unvereinbaren Positionen erstmals annähern.

Auf ihrem fünften Album erinnert nichts mehr an das schräge und hoch theatralische Debüt „Limbo Panto“, auch die latente Schläfrigkeit des Vorgängers „Present Tense“ ist plötzlich ganz weit weg. „Boy King“ ist hellwach und von einer nie gekannten Durchschlagskraft. Die Bässe wummern, die Gitarren schreien und die Doppelspitze Hayden Thorpe / Tom Fleming croont sich mit laszivem Selbstbewusstsein durch die polternden Beats. Auch die Lyrics lassen wenig Raum für Missverständnisse: „I like it messy, don't you make it neat“.

Man mag es angesichts der bisherigen vier wirklich großartigen Alben kaum aussprechen, aber den Weg bis hierher fuhr die Band offenbar mit angezogener Handbremse. Was auf „Present Tense“ vereinzelt aufflackert, brennt hier lichterloh. Was auch immer sich in dieser Band bislang aufgestaut hatte, hier bricht es aus. Die Beasts sind endlich von der Kette.

„Boy King“ wird den ein oder anderen Fan mindestens irritieren, musikalisch wie inhaltlich. Es ist ein düsteres und aggressives Album, es erzählt von Sex und Geschlechterrollen im Umbruch. „Alpha Female, I’ll be right behind you“. Produzent John Congleton (Swans, St. Vincent, Sleater Kinney, Sparks, Sigur Rós) verwandelt die aufgeladene Grundstimmung in fiebrige Sounds aus Synthies und Bässen, funky und tanzbar, aber niemals glatt.

Wie gut ihnen das steht, hätten sie vielleicht vorher selbst nicht vermutet. Die kongeniale Verbindung zwischen Band und Producer ist ein wahrer Segen, das Ergebnis wirkt wie ein Befreiungsschlag. Wild Beasts liefern hier nicht weniger als ihr bisher bestes Album ab. Es ist ein hormongesteuertes, getriebenes Biest, dessen Kraft mit jedem Durchlauf zunimmt. Ein Meisterwerk. Brillant!

 

Im Herbst kommt die Band für zwei Konzerte nach Deutschland:

16/10/16 Köln, Luxor
20/10/16 Berlin, Kesselhaus

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