10 Fragen an... pyrin

Über gute Rap-Konzerte, den perfekten Beat und seinen Schaffensprozess

pyrin sticht aus der Masse der deutschsprachigen Rapper heraus. Uns hat der Schwabe zehn Fragen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beantwortet.

Video: pyrin – Godot

pyrin reiste Mitte der Zweitausender als Battle-Rapper durchs Land. Kaum eine Freestyle-Bühne verließ er ohne einen Platz auf dem Treppchen. Nebenbei musizierte er mit seiner Crew Smoke & The Walker. 2010 folgte die Selbstverwirklichung als Solokünstler. Unter dem Namen pyrin begann er Lieder aufzunehmen, die mit dem musterhaften Klangbild des Hip-Hops brechen. Statt mit dem Boom bap vergangener Tage flirtet er mit allem, was die Musikwelt zu bieten hat.

Am 28. März 2020 erschien nach einer längeren Pause sein viertes Album „Godot“. Wir haben pyrin zehn Fragen gestellt:

Wann und warum hast du dich entschieden, mit dem Rappen zu beginnen?

Mit 13 haben meine Freunde und ich angefangen, Texte von deutschsprachigen Künstlern mit zu rappen. Irgendwann haben wir uns davon wegentwickelt und selbst gefreestylt, dann irgendwann Songs geschrieben. Das war eher ein organisch gewachsenes soziokulturelles Phänomen und keine bewusste Entscheidung.

Welche drei Rapper_innen stecken in deiner künstlerischen DNA?

Ich finde es schwierig, Einflüsse auf ein numerisch fixiertes Minimum reduzieren zu müssen. Ich sag mal Aesop Rock, RA the Rugged Man und Dendemann. Oder El-P, Aceyalone und Aphroe.

Am Stück schreiben oder Punchlines sammeln – wie entstehen deine Texte?

Punchlines sammeln klingt so beliebig. Ich würde sagen, ich mache mir Notizen und puzzle die dann zusammen. Manche Texte schreibe ich aber auch am Stück. Dann verbessere ich sie und tausche Zeilen aus, bis von der ursprünglichen Skizze nur noch Bruchstücke übrig sind.

Was muss ein perfekter Beat haben?

Atmosphäre. Etwas, das meine Stimmung so gekonnt manipuliert, dass es nicht gewollt wirkt.

Was sind deine größten Stärken und Schwächen als Rapper?

Stärken: Texte, Stimmeinsatz, Songwriting.

Schwächen: Langsame Beats und Luft.

DJ oder Live-Band – was passiert auf einem guten Rap-Konzert?

Ich mag gern echte Instrumente auf der Bühne. Aber nicht um jeden Preis. Viele Rapper, die mit Band auftreten, machen das gefühlt nur, um es zu machen, ohne dass es Hand und Fuß hat. Dann lieber mit DJ und dafür gut. Was passieren muss? Ein Funke muss überspringen. Das kann sich ganz verschiedentlich äußern. Durch gute Performance, Interaktion, Charisma des Rappers, dies, das.

Autotune, Boom bap oder etwas ganz anderes – wie klingt Hip-Hop in 30 Jahren?

Solche Prognosen kann ich nicht machen. Auf jeden Fall anders als wir denken. Vielleicht noch mehr verschmolzen mit anderen Genres.

Zeit für einen Geheimtipp: Welche Rap-Platte hältst du für unterbewertet?

„Arrhythmia“ von Antipop Consortium.

Welchen Reim kannst du nicht mehr hören?

Viele. Anschrei’n – Punchline.

Was willst du noch erreichen, bevor du das Mikrofon an den Nagel hängst?

Momentan denke ich, ich hänge das Mikrofon erst an den Nagel, wenn ich nichts mehr zu sagen habe. Ich weiß nicht, ob nichts mehr zu sagen zu haben ein erstrebenswertes Ziel ist. Aber vielleicht ist es erstrebenswert, nichts mehr sagen zu müssen. Kommt mir fast so vor.

Video: pyrin feat. Belle – (Nicht) verrückt

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