50 Jahre Woodstock: Das Jubiläums-Festival 2019 ist abgesagt

Das größte Hippie-Festival aller Zeiten kehrt doch nicht zurück

50 Jahre nach dem legendären Festival hat es sich eine Gruppe um Mitgründer Michael Lang zur Aufgabe gemacht, den Mythos "Woodstock" nochmals zum Leben zu erwecken. Doch wie damals endete die Organisation in einem heillosen Chaos. Anders als damals wurde das Festival abgesagt.

Video: Joe Cocker - With A Little Help From My Friends (Live @ Woodstock 1969)

Nicht jedes große Festival mag es zugeben, doch insgeheim strebt wohl jedes davon dem Lebensgefühl und dem Vermächtnis nach, welches das legendäre Woodstock-Festival im Jahr 1969 mit seinen "3 Days of Peace & Music" hinterlassen hat. In Sachen Bodenverhältnissen haben wir zwar mit "Wacken" bereits einen würdigen Nachfolger gefunden, insgesamt schwebt der Name aber ein wenig wie das ewige Vorbild über den "Rock am Rings", "Glastonburys" und "Primavera Sounds" er Welt.

Doch ist der Mythos "Woodstock" tatsächlich reproduzierbar? Ja, zumindest wenn es nach Mitgründer Michael Lang geht. Doch die Neuauflage wurde Ende Juli, nur zwei Wochen vor dem Festival abgesagt. 

Was 1969 noch funktionierte, ein Festival trotz organisatorischen Chaos stattfinden zu lassen, scheint 50 Jahre später unmöglich zu sein.

Das Festival sollte vom 16. bis 18. August 2019 stattfinden und wollte dabei nicht - wie ursprünglich geplant - die historische Location in Bethel nutzen, sondern stattdessen knapp 200 Kilometer nach Watkins Glen im Norden des Bundessttaats New York umziehen. Statt den 400.000 Menschen von 1969 waren dieses Mal zwar "nur" 100.000 Besucher erwartet, dennoch hatten viele Künstler zunächst zugesagt. 

Es sollten über 60 Künstler, vorwiegend aus Hip-Hop und Rock, aber auch aus Pop und Country auftreten. Zusätzlich sollen wohl besondere Shows mit den jeweiligen Künstlern geplant werden, um Erinnerungsmomente an Woodstock-Künstler wie Jimi HendrixJanis Joplin oder The Who zu schaffen. 

Das originale Festival galt seinerzeit als Höhepunkt der Hippie-Bewegung in den vereinigten Staaten und auch mit der Neuauflage sieht Lang eine deutliche politische Haltung verbunden. Nach den beiden, mehr oder weniger gescheiterten Neuauflagen 1994 und 1999 soll das Festival zudem wieder näher an seinen Urgedanken rücken:

„Das ursprüngliche Festival im Jahr 1969 war eine Reaktion der damaligen Jugend auf jene Dinge, für die wir kämpfen wollten – Bürgerrechte, Frauenrechte und die Friedensbewegung. Dadurch haben wir unsere Botschaft von Frieden, Liebe und Musik verbreitet. Heute spüren wir ähnliche Trennungen in unserem Land. Wir haben gelernt, dass Musik die Kraft besitzt, Menschen zusammenzubringen. Es ist an der Zeit, den Woodstock-Spirit zurückzubringen, sich zu engagieren und unsere Stimmen zu erheben.

[...]

Wir wollen, dass es mehr wird, als nur ein Konzert. Und hoffentlich werden auch viele Bands mithelfen, damit die Leute aufstehen, sich Gehör verschaffen und wählen gehen. Und falls sie keinen Kandidaten haben, der ihre Einstellung repräsentiert, sollen sie einen geeigneten finden oder selbst antreten."

[...]

"Es geht um Spaß und Aufregung, aber es geht auch darum, in den jungen Leuten eine Energie anzufachen, damit ihre Stimme gehört wird."

- Michael Lang

Nach erneutem Chaos bei der Organisation sagten zahlreiche Künstler, darunter Jay-Z, John Fogerty,  Dead & Company, Country Joe McDonald, John Sebastian, Santana, The Lumineers, The Raconteurs, Pussy Riot und Miley Cyrus ihre Teilnahme ab. Am 31. Juli 2019 wurde die Neuauflage von Woodstock endgültig abgesagt. Und das ist vermutlich auch eine gute Entscheidung, denn ein Mythos wie Woodstock lässt sich nicht wiederholen.

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Bild: Derek Redmond and Paul Campbell - Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 

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Jimi Hendrix

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