Abgezockt schlägt kreativ

Cascada gewinnen den deutschen Vorentscheid zum ESC 2013 knapp

Der ESC Vorentscheid hat einmal mehr die Gemüter erhitzt und gezeigt, dass Deutschland musikalisch ein völlig unberechenbares Land ist. Am Ende fährt der Act nach Malmö, dem international die höchsten Chancen eingeräumt werden müssen. Ob einem das gefällt oder nicht. 

Einen regelrechten Shitstorm via Facebook zog der knappe Sieg von Cascada beim Eurovision Vorentscheid gegen die von den Radiohörern klar favorisierte bayrische Spaßkapelle LaBrassBanda nach sich. Zur Verwunderung vieler konnten die Mundart-Rocker alle Radioabstimmungen für sich entscheiden, selbst im hohen Norden fand man wohl, man solle besser mit Klamauk und guter Laune beim Eurovison Song Contest antreten, statt mit einem harmlosen "Schlager" mal wieder irgendwo im Mittelfeld zu landen. Gegensätzlicher könnten die zwei "Gewinner" des Vorentscheids gar nicht sein: hier die national erprobte Live-Band, dort der international bekannte Popstar aus der Retorte. 

Geheimfavoriten wie Ben Ivory, der dank einer unglücklichen Live-Performance mit dem Ausgang des Vorentscheids nichts mehr zu tun hatte, sowie der charmant-glitzernde Electropop von Blitzkids mvt, völlig zurecht klarer Favorit der Jury, konnten gegen diese beiden gegensätzlichen Auffassungen von Musik nichts ausrichten: In Deutschland muss es entweder totaler Mainstream sein oder gleich komplett jenseits von Gut und Böse (Heino!). Dazwischen gibt es (leider) meistens relativ wenig. Zumindest in der Spitze.

Aber die Aufregung um das vermeintliche Plagiat des letztjährigen Siegertitels, mit dem Cascada letztlich die Nase knapp vorn hatte, dürfte sich schon bald legen. Auch wenn der Song stilistisch klar an "Euphoria" erinnert, die Tonfolge dürfte juristisch wasserdicht sein und im Ausland ist man wohl auch weniger sensibel gegenüber Plagiatsvorwürfen als in Deutschland dieser Tage. 

Gewonnen hat letztlich der Act mit den größten Aussichten auf internationaler Bühne: Cascada hatten bereits in England und den USA Nummer 1 Hits und sind auch in anderen europäischen Ländern mit genau dieser Art von Musik bereits bekannt. Der von abgezockten Pop-Strategen am Reißbrett entworfene Song "Glorious" dürfte auch in den osteuropäischen Ländern durchaus punkten, schließlich ist diese Art der großraumdiscotauglichen Dudelmusik dort ebenfalls schwer populär.

Trotz großer Aufregung im Netz, dürfte der Mainstream am Ende Recht behalten und Cascada eine möglicherweise erstaunlich gute Platzierung in Malmö einbringen, zumal die Ex-DSDS-Jurorin Natalie Horler auch live unfallfrei singen kann - was man nicht von jedem der Teilnehmer des Vorentscheids behaupten konnte. Am Ende ist es eben doch nur ein Schlagerwettbewerb und die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner und das schöne ist doch, dass man seine neu entdeckten Favoriten wie Saint Lu, Blitzkids mvt oder La Brass Banda auch jenseits von Malmö weiter verfolgen kann. Da ist zum Glück jeder seine eigene Jury.

Bild: Blitzkids mvt mit Vorjahressiegerin Loreen

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