Aktenzeichen xy ungelöst: den Musikpiraten auf der Spur

Zeitgleich mit dem US-Verband der Plattenindustrie RIAA hat auch die deutsche IFPI die Jagd auf illegale Musikanbieter eröffnet und meldet gleich erste Erfolge.

Unter der reißerischen Überschrift "In flagranti: Drei Musikpiraten, drei Städte, drei Hausdurchsuchungen, drei Beschlagnahmen" berichtet man stolz über die Festnahmen von drei illegalen Musikanbietern in Freiburg, Aachen und Hamburg. Alle drei hatten tausende Musikstücke auf eigenen Servern angeboten, das heißt mit Tauschbörsen hat die ganze Aktion, angesichts der wackligen Rechtslage und der Bedenken, gleich Millionen Menschen ins Visier zu nehmen, nichts zu tun.

Ganz anders in den USA: dort wurde jetzt eine erste Abmahnwelle gegen Nutzer von P2P-Tauschbörsen gestartet.
Möglich wurde das durch ein Urteil, das den US-Provider zur Herausgabe von verdächtigen Nutzernamen an die Musikindustrie verpflichtete. Bis August sollen hunderte von Klagen gegen die Verdächtigen angestrengt werden. Es steht zu befürchten, dass das ganze zu einem Showprozess wird, in dem besonders unsympathische Zeitgenossen der Öffentlichkeit als böse Musikpiraten vorgeführt werden und diese mit empfindlichen Strafen belegt werden. Schließlich soll die Aktion die Milliarden Tauschbörsen-Nutzer auf der ganzen Welt abschrecken, nicht mehr einfach leichtfertig Musik umsonst im Internet zur Verfügung zu stellen.
Ob diese Taktik aufgeht, steht allerdings noch in den Sternen. Denn es ist zu befürchten, dass die Plattenindustrie ein Faß ohne Boden versucht aufgemacht hat und es sich immer mehr mit ihren potenziellen Kunden verscherzt. Zudem ist zu erwarten, dass die Tauschbörsen immer aufwändigere Schutzmechanismen zum Schutz der Identität ihrer Nutzer implementieren werden, so dass derartige Aktionen nur kurzfristig Wirkung zeigen.

In Deutschland ist man mit derartigen Maßnahmen noch vorsichtiger, dennoch ist der Ton schärfer geworden. Eduard Zimmermann, übernehmen Sie. (ur)

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