Arctic Monkeys: 10 Jahre "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not"

Vom Internetphänomen zu Weltstars

Daniel Ibald blickt zurück auf das famose Debütalbum "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not", mit dem vor genau 10 Jahren die Karriere der Arctic Monkeys begann.

"I’m me and nobody else. Whatever people say I am, that's what I'm not because they don't know a bloody thing about me!" Der Fabrikarbeiter Arthur macht sich im Film „Saturday Night And Sunday Morning“ mit diesen Sätzen Luft. Alexander David Turner, einziges Kind zweier Lehrer aus Sheffield, kennt dieses Gefühl offenbar ebenfalls. Als das erste Album von ihm und seinen Kumpels aus Schülertagen erscheint, haben die Arctic Monkeys bereits 4 äußerst turbulente Jahre hinter sich, Umbesetzung, zwei #1-Hits in den UK-Charts und „next big thing“-Getöse inklusive.

Doch was am 23. Januar 2006 kommen sollte, konnten selbst die Hype-gestählten Briten nicht ahnen: kein Debüt hat sich im Mutterland des Pop jemals davor oder danach so schnell an die Spitze katapultiert, 120.000 mal geht es über den Ladentisch, am ersten Tag wohlgemerkt. Mehr als dreimal so viele sind es am Ende der ersten Woche, bald danach beläuft sich die Bilanz auf Dreifach-Platin.

Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am, Thats what Im Not
Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am, Thats what Im Not

Tonspion Preview: Arctic Monkeys - "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not" (aus dem Jahr 2005)

Es ist der Auftakt zu einer Art dauerhaftem Alarmzustand von Fans und Medien. Am Jahresende wird „Whatever People Say I Am…“ zahllose Bestenlisten von NME bis TIME anführen und so ziemlich alles abräumen, was zwischen Brit Awards und Mercury Prize zu holen ist. Es wird Jahre später als eines der erfolgreichsten und wichtigsten Alben seines Jahrzehnts in die Musikgeschichte eingehen.

Die vielen Verzweifelten, die am 4. März 2006 in Köln vor dem Bürgerhaus Stollwerck um jeden Preis noch ein Ticket ergattern wollen, wissen davon natürlich noch nichts. Sie ahnen es vielleicht, denn die Hoffnung auf Karten wird trotz irrwitziger Gebote enttäuscht. Der Hype ist angekommen, die Arctic Monkeys sind die Band der Stunde.

Drinnen ist es voll und eng, Fans und Wände schwitzen um die Wette. Viele Engländer sind der Band nach Köln gefolgt, die Stimmung ist entsprechend wenig schüchtern. Alex Turner ist vor kurzem 20 Jahre alt geworden und zum Start des Konzertes so besoffen wie ich an dessen Ende. Andy Nicholson steht damals noch am Bass. Die Setlist ist zwangsläufig übersichtlich, die Performance auf und vor der Bühne gleichermaßen leidenschaftlich und der schmächtige kleine Junge verwandelt sich am Mikro zu einer überlebensgroßen Rampensau. 

Vieles von diesem Abend ging den Weg bierseligen Vergessens, doch in Erinnerung bleiben ein Publikum, das vor Liebe und Begeisterung beinah überschnappt und eine Band, die sich beides in kurzer Zeit ehrlich erarbeitet hat.

Wie nachhaltig mich diese Band und dieses Album wirklich begeistern würden hat sich erst mit der Zeit gezeigt. Im Sommer des gleichen Jahres habe ich meine erste Partyreihe gestartet und ich kann nicht mehr zählen, wie oft mir „I bet you look good on the dancefloor“ dort und anderswo beim Auflegen den Arsch gerettet hat. Wie oft ich den grandiosen Clip zu „The View from the Afternoon“ schon gesehen hatte, bis ich die Geschichte von Buddhas Erleuchtung darin erkannt hatte oder wie oft ich mit „When the Sun goes down“ im Ohr durch die Stadt gelaufen bin, weil es für Wochen und Monate keinen zweiten Song auf der Welt gab.

Und heute? „Dancing Shoes“ klingt so aufgekratzt wie früher, „Riot Van“ steckt noch immer in den Flegeljahren und die Gitarren in „Mardy Bum“ sind so unwiderstehlich wie am ersten Tag. Das smarte Songwriting, die Texte zwischen hingerotzten Nebensächlichkeiten und präziser Beobachtung und natürlich Jim Abbiss’ aufmerksame und ungekünstelte Produktion verhinderten ein Verfallsdatum.

„Whatever People Say I Am …“ klingt für immer nach Aufbruch, nach jugendlichem Leichtsinn und verschwitzten Clubnächten. Es hat ein immer gültiges Thema und einen universellen Charme. Solange es Clubs gibt, solange getanzt, geflirtet, gesoffen und geträumt wird, haben diese Songs Bestand.

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