Ásgeir: „Ich musste erst das Einfache in der Musik wiederfinden.“

Islands Superstar im Gespräch

Mit dem Debütalbum zum Superstar: Der Erfolg von „In The Silence“ machte Ásgeir die Arbeiten am Nachfolger nicht einfach. Das Problem war zumeist er selbst. Wir trafen den Isländer vor dem Release seines zweiten Albums "Afterglow" zum Gespräch in Berlin.

„In The Silence“ ist in seiner Heimat Island das meistverkaufte Debütalbum aller Zeiten – noch vor denen von zum Beispiel Sigur Ros oder Björk. Die Statistik sagt: Jeder Zehnte Isländer hat Àsgeirs Platte im Regal stehen. Am Freitag erscheint mit „Afterglow“ der sehnlichst erwartete Nachfolger. Der Weg dahin war ein recht steiniger, wie er uns im Gespräch verraten hat.

Bevor John Grant „In The Silence“ damals ins englische übersetzte, erschien das Album in deiner Heimatsprache. Ist das für „Afterglow“ in umgekehrter Form denkbar?

Ich hab die ganze Zeit darüber nachgedacht das Album auch in isländisch rauszubringen. Und es sind sogar schon einige der Songs übersetzt und in einer isländischen Version aufgenommen.

Und einer davon hat es sogar auf Album Nummer zwei geschafft. Wie kam's dazu genau diese Nummer mit auf's Album zu nehmen?

Es hat einfach gut zusammengepasst. Eigentlich hatten wir "Fennir Yfir" gar nicht als Albumtrack vorgesehen. Ein paar Freunde haben mich dann an den Song erinnert, dass es ihn noch gibt und wie gut und besonders sie ihn finden. Und da vorher alles schon auf isländisch aufgenommen war und er gut ins Konzept passte, brauchte er keine Übersetzung.

"Die Einfachheit in der Musik hab ich immer gemocht, einen Song zu haben und dass er dir sagt, was er braucht." Ásgeir Trausti Einarsson

Hattest du, bevor du wieder ins Studio gegangen bist, eine Art Vision, eine Vorstellung in welche Richtung es musikalisch gehen soll?

Nein, sowas hab ich selten. Ich habe sehr viele Gedankenfetzen, vielleicht zu viele. Und schlussendlich haben sich die dann in das verwandelt, was jetzt auf der Platte zu hören ist.

Wie sind die entstanden? War es dann – wie man immer hört – das schwierige zweite Album?

Ich hab von mir selbst erwartet etwas ganz Großes zu kreieren. Ich wusste auch selbst, dass ich es eine Zeit lang einfach zu sehr versucht hab. Die Einfachheit in der Musik hab ich immer gemocht, einen Song zu haben und dass er dir sagt, was er braucht, und nicht ihm zu diktieren, was aus ihm werden soll; Ihm krampfhaft versuchen etwas aufzudrücken, das Problem gab es mit einigen der Songs.

Hing das mit dem Druck zusammen, den man verspürt, wenn das erste Album so durch die Decke geht, dann nachzuliefern?

Ja, ich hab definitiv viel Druck verspürt. Zwar mehr von mir selbst, aber es hing auch damit zusammen, dass ich mir vorstellte, was andere von mir erwarten würden. Also Druck von innen und von außen, aber mehr noch von meiner eigenen Erwartungshaltung her.

War das von Beginn an der Fall?

Ich erinnere mich an das Gefühl zurück, an einen Zeitpunkt als ich diesen Druck noch nicht verspürte, da war alles gut. Klar gab es ab und an schlechte Songs, die man schrieb – das ist Teil des Prozesses, wenn man ein Album macht. Aber ich hab das verloren und war lange auf der Suche dieses Gefühl wiederzufinden.

Aber gerade nach so einem erfolgreichen Album und einer erfolgreichen Tour dazu, kann man doch mit viel Selbstvertrauen an die neue Aufgabe gehen, oder?

Wir waren auf Tour und ich dachte immer wieder: Wenn ich wieder zurück ins Studio gehe, schreibe ich die besten Songs, die ich je geschrieben habe. Zehn Stunden am Tag, monatelang hab ich versucht etwas zu erzwingen, was nicht da war, ohne es zu genießen oder dass es mir Spaß gemacht hätte. Ich wusste nicht was ich hören wollte, wusste nicht was ich spielen wollte. Ich hab gearbeitet, nur um zu arbeiten, weil ich das Gefühl hatte, das machen zu müssen.

Wann und wie hast du dann diese Einfachheit wiedergefunden?

Ich weiß es nicht, ich fühlte es vielleicht vor einem Jahr oder so. Ich fing an in mich selbst hinein zu hören. Ich musste, glaube ich, als Person wachsen, um zu erkennen was ich will, was ich nicht möchte und wie ich das erreichen kann. Ich hab da keine genaue Erklärung, es ist einfach eine Sache, die Zeit braucht.

Hast du irgendwas während der Arbeiten an „Afterglow“ über dich als Person, bzw. dich als Musiker gelernt?

Das nächste mal wenn ich ein Album mache und ich das Gefühl habe, okay, jetzt ist der Punkt, an dem ich jeden einzelnen Song gut finde, muss ich zu mir selbst sagen: Stop! Sonst passiert es, dass ich mir zu viele Gedanken mache und zwei Tage später fünf von den Songs wieder in die Tonne werfe.

"Afterglow" von Ásgeir erscheint am 5.5.2017 über Embassy of Music. Danach ist der Isländer für ausgewählte Konzerte in Deutschland - TONSPION präsentiert

09.05.2017 Berlin - Festsaal Kreuzberg (ausverkauft)
10.05.2017 Hamburg - Mojo Club
13.05.2017 München - Strom (ausverkauft)
17.05.2017  Köln - Luxor

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