Beats, Breaks and Bitcoins: Wie Kryptowährung unsere Welt verändern wird

Die Blockchain-Revolution und ihre Folgen (1/10)

Kryptowährung ist verschlüsseltes, programmierbares Geld im Internet. Das wird die Welt in den nächsten zwei Jahrzehnten so radikal verändern wie das Internet selbst sie in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat.

Bitcoin und andere Kryptowährungen stellen ein so grundlegend neues Paradigma hinsichtlich des Themas Geld dar, dass es schwer fällt, seine Bedeutung richtig einzuschätzen. Es fehlen die Vergleichsmöglichkeiten, weil die Menschheit etwas Vergleichbares vorher noch nie errichtet hat. Schon der Begriff Bitcoin ist facettenreicher als man vermuten könnte. Wenn jemand “Bitcoin” sagt, können drei verschiedene Dinge gemeint sein:

  1. Bitcoin ist digitales Cash. Es kann wie Bargeld direkt von User zu User weitergegeben werden. Die beiden User müssen also keinem Zahlungsdienstleister und keiner Bank vertrauen.
  2. Bitcoin ist ein Peer-to-Peer-Netzwerk. Es hat keine Zentrale und keinen Single-Point-of-Failure. Es verfügt über die mit Abstand höchste kryptographische Rechenleistung der Welt. Niemand kann das Bitcoin-Netzwerk abschalten oder zensieren.
  3. Bitcoin ist ein Internetprotokoll. Wir verwenden im Internet heute über 400 verschiedene Protokolle, z.B. HTTP (für das World Wide Web), POP/SMTP (für E-Mail) oder BitTorrent (für Peer-to-Peer-Filesharing). Das Bitcoin-Protokoll löst nicht nur das Problem der direkten Übertragung von Wert im Internet, sondern ermöglicht auch die Erstellung von Software, die Geld versenden und empfangen kann.

Programmierbares Geld wird auch ganze Berufsbilder wie das von Musikern oder Journalisten verändern, wird Verträge in Form von Computerprogrammen (Smart Contracts) ermöglichen und wird den Banken- und Finanzsektor in ähnlicher Weise demokratisieren wie das World Wide Web die Erstellung von Medieninhalten.

Bitcoin Kurs
Der Wert von Bitcoin verdreifachte sich innerhalb nur eines Jahres (Quelle: Finanzen.net)

Ein Beispiel: Die dezentralisierte Cloud-App
Populäre Cloudspeicher wie Dropbox, Google Drive oder iCloud sind zentral organisiert. Wenn der User oder die Userin Daten darin abspeichert, werden diese auf einen Server (meist in den USA) übertragen. Nennen wir unsere fiktive, neue Applikation “Bitcloud”.

Wie in die Dropbox können User ihre Dateien in die Bitcloud stellen, um von anderen Endgeräten darauf zugreifen zu können. Oberflächlich betrachtet sieht die Applikation aus wie vergleichbare Anwendungen. Tatsächlich ist unser fiktiver Cloudspeicher aber ganz anders organisiert  - er hat keinen zentralen Server. Jeder Mensch, der zu Hause über ausreichend Festplattenspeicher verfügt, kann nämlich einen Teil davon an die Cloud vermieten.

Legt ein anderer User eine Datei in Bitcloud ab, wird sie auf einem oder mehreren von Millionen Computern weltweit abgelegt. Jene User, deren Festplatten für die Speicherung einer Datei verwendet werden, erhalten für diese Leistung einen Kleinstbetrag von beispielsweise 0,000001 Bitcoins pro Kilobyte.

Quelle: Bitcoin.org

Der Zahlungsvorgang erfolgt automatisch, denn unsere Bitcloud-Software besteht aus sogenannten Smart Contracts: Software, die aufgrund von in Programmcode festgelegten Bedingungen Mikrotransaktionen (Millionstel eines Euro) versenden und empfangen kann - weltweit, automatisch, millionenfach pro Sekunde.

Dieses einfache Beispiel zeigt, wie programmierbares Geld und Smart Contracts bisher zentral organisierte Anwendungsszenarien dezentralsieren und für Nutzerinnen und Nutzer von großem Vorteil sein können. Ein solcher Cloudspeicher wäre zum Beispiel besser abgesichert vor Ausfällen eines Servers, da seine dezentralisierte Struktur für höchstmögliche Redundanz und Datensicherheit sorgt. Ansätze für diese Entwicklung sehen wir bereits.

Auf der gerade entstehenden Plattform Ujo können Künstler ihre Musik anbieten mittels Smart Contracts anbieten, die z.B. festlegen, dass eine Zahlung ausgelöst wird, sobald ein Song abgespielt wird, oder eine Zahlung in anderer Höhe, wenn er heruntergeladen wird. Auch Kim Dotcom, umstrittene Figur rund um den vom FBI geschlossenen Filesharing-Dienst Megaupload, startet demnächst eine neue Plattform, bei der die Nutzung von Dateien über die Blockchain organsiert und mit Bitcoins abgegolten wird.

Beginn einer friedlichen Revolution

Geld ist jetzt ein Internetprotokoll. Die damit einhergehende Dezentralisierung und Programmierbarkeit von Geld hat das Potenzial, den vier Milliarden Unbanked und Underbanked in den Schwellen- und Entwicklungsländern der Welt erstmals elektronische Zahlungsmöglichkeiten in die Hand zu geben. Ansätze davon sehen wir in Kenya, Südafrika, Tanzania und Indien. Geld als Internetprotokoll ermöglicht aber eben auch dezentral organisierte Shops und Services anstatt iTunes und Amazon, streamende Musik gegen streamendes Geld, Filesharing mit Mikrotransaktionen, Smart Contracts für die Lizenzierung von Filmmusik und Soundeffekten - die Möglichkeiten sind erst ansatzweise zu erahnen.

All diese Entwicklungen stehen in ihren Anfangstagen und werden die nächsten 10 bis 20 Jahre bestimmen, bevor sie zum Mainstream werden. Wir werden im Laufe dieser Serie einen Blick auf die Entstehungsgeschichte von Bitcoin in der Cypherpunk-Kultur der neunziger Jahre werfen, Anwendungsszenarien von Bitcoin und anderen Blockchain-Assets betrachten und uns dem breiten Feld der dezentralen autonomen Organisationen widmen.

Autor Christoph Burstup Weiss ist Journalist und DJ/Producer der Wiener Band Schönheitsfehler. Er publiziert bei Radio FM4 und auf der Website gutesleben.solutions - Homebase für konstruktive Gedanken, gute Musik und schöne Dinge.

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