Beats, Breaks und Bitcoin: Wie programmierbares Geld das Musikbusiness revolutionieren wird

Die Blockchain-Revolution und ihre Folgen (3/10)

Geld war bisher ziemlich doof: Um es zu überweisen, brauchte man immer eine Bank oder einen Zahlungsdienstleister wie Paypal. Das ändert sich jetzt, denn Bitcoin ist programmierbares Geld. Künstler, Journalisten, Konzerne und Internetuser – niemand wird davon in Zukunft unberührt bleiben.

Bitcoin: Programmierbares Geld

Wie bereits im ersten Teil dieser Serie erwähnt, können mit dem Begriff Bitcoin drei verschiedene Dinge gemeint sein: (1) Geld (2) ein Netzwerk und (3) ein Internetprotokoll. Das Geld, das mit Bitcoin gemeint ist, verfügt über Eigenschaften, die kein anderes Zahlungsmittel  bisher aufweisen konnte: Bitcoin ist besser teilbar (in hundert Millionstel Einheiten namens “Satoshis”). Es ist weltweit wie eine E-Mail oder SMS versendbar. Es ist grenzenlos und unzensierbar. Last but not least die vielleicht am meisten unterschätzte Eigenschaft: Bitcoin ist programmierbar.

BitTunes
BitTunes: Die Zukunft der Musik liegt in den Händen der Kreativen

Die Programmierbarkeit von Bitcoin (und anderen Kryptowährungen) ermöglicht zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten. Die einfachste davon heißt “Multisig”. Ein einfaches Beispiel: Herr B. will seinem Sohn zwei Eintrittskarten für ein Konzert seiner Lieblingsband am nächsten Tag schenken. Er bezahlt die Tickets, indem er den Kaufpreis in Bitcoin an ein Multisig-Wallet des Veranstalters schickt. Sowohl die Zahlung, als auch das Ticket werden erst freigegeben, wenn der Sohn und der Veranstalter dam nächsten Tag die Transaktion signieren. Multisig-Transaktionen basieren auf sogenannten Smart Contracts - Software, die Bedingungen für eine Zahlung festlegt.

Wie Musik die Musikplattformen verändern wird

Musik ist im Internet der Gegenwart allgegenwärtig und wird zunehmend als Stream konsumiert. Konzerne wie Google schütten aber sehr wenig von den Milliardengewinnen, die sie mit Werbung auf Youtube und anderen Plattformen verdienen aus. Oft wissen die Betreiber der jeweiligen Plattform gar nicht, wer der Urheber eines Musikstückes ist, weil die entsprechenden Metadaten fehlen oder unvollständig sind.

Große Mengen an unbezahlten Tantiemen verbleiben in Warteposition und werden nicht ausbezahlt.  Auch hier kann die Programmierbarkeit von Geld helfen, sowohl Musiker gerecht zu entlohnen, als auch Musikliebhabern besseren Service zu bieten. Ein Beispiel für viele Musikplattformen, die derzeit auf Basis der Technologie hinter Bitcoin entstehen, ist dotBlockchain, gegründet von Benji Rogers, vormals Gründer und Betreiber der Direct-to-Fan-Musikplattform PledgeMusic.

"Kreative, Rechteinhaber und Influencer, die ihre Rechte digital verwerten können, werden künftig ihre eigenen Schicksale kontrollieren. Wenn wir uns weiterhin auf die bestehende Telegraphen-Kabel-Technologie verlassen, um das Eigentum, die Nutzung, die Zahlungen und die Rechte für uns wahrzunehmen, dann werden wir unsere Kreativen nur den Interessen dieser riesigen Firmen, ihren Aktionären und Geschäftsmodellen unterwerfen, die manchmal grundsätzlich im Widerspruch zu denen der Urheber stehen." (Benjo Rogers, dotBlockchain)

Für den Musikliebhaber Benjo Rogers sind Songs im Internet “digitales Gold”, und weil auch Bitcoin oft als solches bezeichnet wird, ist es für ihn naheliegend, beides zu verbinden. “Ich habe mir die Metadaten der Alben, die mir geschickt wurden, angesehen”, sagt er, “und realisierte plötzlich, dass Künstler keine Möglichkeit haben, ihre Rechte in den Soundfiles selbst konkret zu definieren.”

Sein wegweisendes Projekt dotBlockchain entwickelt ein Musikformat namens .bc (analog zu .mp3), das neben der Musik auch Lizenzen, Nutzungsbedingungen und sogar ganze Smart Contacts enthalten kann.

Eine weitere Musikplattform, die sich die Eigenschaften von Bitcoin zu eigen machen will,  ist bittunes. Hier liegt der Fokus vor allem auf Microtransactions direkt vom Musikliebhaber zum Künstler. Denkbar ist auch, die Eigenschaften von Kryptogeld auf den zukünftigen Musikplattformen gleich fürs Crwodfunding von Musikern und Alben zu nutzen. Eine Plattform könnte also z.B. eine Mischung aus Spotify, iTunes, und Kickstarter sein, und darüberhinaus auch die Rechteverwaltung dezentralisieren und vereinfachen.

BitTunes
Quelle: bittunes

Die Programmierbarkeit von Kryptowährung ermöglicht weiters sogenannte “Colored Coins”: Zahlungen in der Blockchain werden mit physischen Assets verbunden. Eine Firma, die selbstfahrende Autos verleiht, könnte Colored Coins generieren, von denen jede ein bestimmtes Fahrzeug repräsentiert. Das Auto lässt sich nur aktivieren, wenn es eine Nachricht mit dem zu seiner Coin gehörenden Signatur erhalten hat. Eine Smartphone-App ermöglicht es, diesen Kryptocoin und somit das Fahrzeug für einen bestimmten Zeitraum zu erwerben. Andere Anwendungsgebiete von Colored Coins: Lizenzen, Tantiemen und Dividenden.  

Die Programmierbarkeit und die Möglichkeit der Teilung von Kryptowährung in hunderte Millionen kleinere Einheiten ermöglicht auch den automatisierten Transfer von Geld zwischen Maschinen. Das Internet of Things, Googles selbstfahrende Autos, Vending Machines und AirBnB-Apartments der Zukunft werden über Kryptowährungs-Blockchains miteinander verbunden sein.

Die Erforschung der Möglichkeiten von programmierbarem Geld steckt noch in ihren Kinderschuhen. Einige Beispiele für Plattformen, die sich in Entwicklung befinden oder in einem frühen Stadium bereits online sind:

  • Open Bazaar, ein dezentralisierter Marktplatz
  • Coinprism, ein Walletprovider für Colored Coins
  • Orisi, eine Plattform für Smart Contracts  

Christoph Burstup Weiss ist Journalist und DJ/Producer der Wiener Band Schönheitsfehler. Er publiziert bei Radio FM4 und auf der Website http://gutesleben.solutions – Homebase für konstruktive Gedanken, gute Musik und schöne Dinge.

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