Ben Salomo kündigt Rückzug aus der Rapszene an

"Ich fühle mich als Jude in der deutschen Rapszene nicht mehr wohl"

Der Rapper und Rap am Mittwoch-Moderator Ben Salomo möchte sich laut eigener Aussage aus dem Rapgeschäft zurückziehen. Grund dafür ist vor allem dort akzeptierter Antisemitismus, so seine Worte im Interview.

Die diesjährige Ausgabe des Echos wirkt spürbar nach: in der Gesellschaft, bei den Veranstaltern selber, aber vor allem im Musikbusiness. Nachdem in den letzten Tagen bereits mehrere Künstler ihre Auszeichnungen zurückgegeben haben, kündigt nun ein etablierter Rapper seinen Rückzug aus der Rap-Szene an. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost spricht Ben Salomo offen über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und wie dieser ihn belaste.

"Ich ziehe mich in diesem Jahr aus der deutschen Rap-Szene zurück. Das hat mehrere Gründe, einer ist: Ich fühle mich als Jude in der deutschen Rap-Szene nicht mehr wohl. Aber es geschieht auch insgesamt zu wenig gegen Antisemitismus in diesem Land. Das macht mich betroffen. Gefühlt sitze ich deshalb auf gepackten Koffern in Deutschland."

Zwar gibt der Rapper nicht die Echo-Auszeichnung von Kollegah & Farid Bang explizit als Grund an, aber es scheint das Zünglein an der Waage gewesen zu sein. Kollegah wurde im Rahmen der Veranstaltung mit ethisch fragwürdigen Zeilen und der Verbreitung von antisemitischen Karikaturen konfrontiert, eine Doku des WDR nahm sich ebenfalls seiner Videos an. Ben Salomo hält Antisemitismus für keine Neuheit in der Szene, wohl aber die Popularität der Protagonisten:

"[Heute] sind die Protagonisten [...] viel bekannter und ihre Musik verbreitet sich millionenfach über das Internet. Man kann insgesamt beobachten, dass antisemitisches Gedankengut wieder absolut salonfähig geworden ist."

Ben Salomo war von 2010 bis 2017 Moderator und Host der Battlerap-Veranstaltung Rap am Mittwoch und zuvor Mitglied der Rapcrew Kaosloge. Erst 2016 veröffentlichte er mit "Es gibt nur einen" sein Solo-Debüt. Neben Sun Diego aka SpongeBOZZ ist er einer der wenigen deutschen Rapper, die ihre jüdische Identität offen in Songs thematisieren.

Das ganze Interview mit der Berliner Morgenpost findet Ihr hier (KLICK)

Video: Ben Salomo - "Identität"

Mehr News rund um HipHop findet ihr auf unserer Facebookseite "Rapspion":

Alle wichtigen Rap-Neuheiten in einer Playlist - folgt unserer kuratierten Auswahl auf Spotify!

Empfohlene Themen

Kollegah & Farid Bang - Jung Brutal Gutaussehend 3

Kollegah & Farid Bang: "JBG 3" kommt auf den Index

Zehn Monate nach Veröffentlichung
Nach Echo-Skandal und den bereits indizierten Vorgängern war es nur eine Frage der Zeit: Der dritte Teil der "Jung Brutal Gutaussehend"-Trilogie von Kollegah & Farid Bang landet auf dem Index. Die Wirkmacht des Ganzen bleibt fragwürdig.
Noga Erez (Foto: Tonje Thilesen)

Britische Künstler boykottieren erneut Berliner Festival

Wie antisemitisch ist die britische Musikszene?
Nachdem bereits im vergangenen Jahr einige Künstler ihre Teilnahme am Berliner Pop Kultur Festival abgesagt haben, geht das Spiel nun in eine neue Runde. Wegen der Unterstützung einzelner Künstler durch die israelische Botschaft boykottiert Richard Dawson und die Band Shopping das Festival. Ein Sieg für die antisemitische BDS-Kampagne, die vor allem in England immer weitere Kreise zieht.
Campino_ScreenshotYouTube

Antisemitismusbeauftragter will Bundesverdienstkreuz für Campino 

Echo-Rede gegen Kollegah und Farid Bang habe "Gesellschaft verändert"
Der Sänger der Toten Hosen hatte sich bei der Echo-Verleihung gegen einen Preis an die Rapper Kollegah und Farid Bang gestellt und nun soll Campino für diese Rede nach Ansicht des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung das Bundesverdienstkreuz erhalten.
Rap am Mittwoch (Logo)

Aus von Rap am Mittwoch bekanntgegeben

Letzte Show im Mai
Mit dem Rückzug aus der Rap-Szene beschließt Ben Salomo auch das Aus von Rap am Mittwoch - der Show, die er acht Jahre lang moderiert und geprägt hatte. Schon bei der letzten Ausgabe wird er wegen antisemitischer Drohungen nicht mehr anwesend sein.