Berghain-Türsteher Sven Marquardt dreht Film über "Isolation" während der Coronakrise

Bilder einer menschenleeren Stadt

Sven Marquardt ist der Mann, der jedes Wochenende darüber entscheidet, wer die heiligen Hallen des Berliner Technotempels Berghain betreten darf. Im Hauptberuf ist er Fotograf und zeigt in seinem Film "Isolation" eine menschenleere Stadt im Ausnahmezustand.

Auch für ihn sei diese Krise eine "berufliche Vollbremsung". Die Clubtüren bleiben vermutlich noch für lange Zeit verschlossen und der Großteil seiner Fotografen-Tätigkeit findet im Ausland statt, sagt Marquardt nachdenklich. In seinem Film "Isolation" geht er durch seine menschenleere Stadt und erzählt, wie er diese Krise erlebt und in welche Unsicherheit der Virus auch einen gestandenen Mann wie ihn wirft. 

Das einzige, was er derzeit tun könne, sei zuhause in seinem Archiv die alten Aufnahmen zu sortieren, aber er wolle nicht nur in der Vergangenheit wühlen. Die Unruhe treibe ihn hinaus zu Spaziergängen in seiner Heimatstadt, die derzeit genauso stillsteht, wie jedes Dorf. 

Sven Marquardt wuchs in Ost-Berlin auf und begann 1982 eine Lehre als Fotograf. Danach arbeitete er als Modefotograf für die DDR-Zeitschrift Sibylle.

Nach der Wende begann er als freundlich-brummiger Türsteher im Berghain-Vorläufer Ostgut zu arbeiten, wo sein Bruder Oliver (DJ Jauche) regelmäßig auflegte. Rein durften damals fast alle, wenn sie nicht zu jung für die damals schon freizügigen Partys des schwulen Clubs waren. Das Ostgut war damals noch ein Geheimtipp in der bunten Berliner Party-Landschaft, mehr Darkroom als Club und lange Schlangen gab es eher selten.

Im neuen Berghain wurde er durch sein Äußeres schnell zum visuellen Aushängeschild des legendären Clubs und zum beliebten Hassobjekt vieler Clubgänger, die er angesichts des übergroßen Ansturms abweisen musste. Bis heute spricht weder er, noch das Berghain öffentlich über seine Türpolitik. 

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