"Berlin Bouncer": Die Künstler an den Club-Türen der Hauptstadt

Harte Jungs, ganz nah

Mit "Berlin Bouncer" feiert bei der 69. Berlinale eine Dokumentation Premiere, die einen anderen Blick auf das Berliner Nachtleben werfen soll. Statt der interessanten Charaktere gerät jedoch - wie so oft - die Stadt an sich in den Mittelpunkt. Seht euch hier direkt den Trailer an. 

Trailer: Berlin Bouncer

Du weißt spätestens dann, dass dein Club zu einem internationalen Mythos herangewachsen ist, wenn selbst deine Türsteher zu bekannten Popkultur-Figuren werden. Davon kann Sven Marquardt vom Berghain vermutlich ein (sehr düsteres) Lied singen. Damit ihr euch den Leseaufwand spart, ein kleiner Spoiler vorweg: wie ihr an seinen Türstehern vorbei ins Berghain kommt, verrät er auch dieses Mal nicht. 

Da sich Berlin und insbesondere das Nachtleben in den vergangenen Jahren offensichtlich zu Everybody's Darling der Film- und Serienlandschaft entwickelt hat, überrascht es kaum, dass in "Berlin Bouncer" nun auch mal die Männer an der Tür ins Rampenlicht geschoben werden. Oder wie Christian Blumberg in seiner Rezension treffen schreibt: "Ein Film über das Berliner Nachtleben – ist das nicht sowas wie das Gegenteil einer Idee?"

Denn auch wenn die Dokumentation von David Dietl mit Smiley Baldwin, Frank Künster und eben Sven Marquardt interessante Charaktere verfolgt, scheint auch hier - ähnlich wie bei einigen anderen Erzeugnissen des Berlin-Hypes - oftmals der Blick für das Wesentliche zu fehlen. Der Mythos "Nachtleben Berlin" steht längst nicht mehr als solcher und dient daher auch nicht automatisch als hochinteressante Grundlage für einen Film oder Doku.

"Berlin Bouncer" beschäftigt sich mit den Werdegängen, den Tür-Philosophien und der künstlerischen Seite der Protagonisten, im Mittelpunkt steht jedoch wie so oft die Entwicklung Berlins an sich. Es macht durchaus Spaß ein bisschen hinter die Fassade der oftmals furchteinflößenden "Einlassverwalter" zu blicken und in wenigen Momenten vielleicht sogar einen kleinen Blick ins Persönliche zu erhaschen, im Endeffekt fehlt aber wohl genau das, was die meisten Feiernden wirklich beschäftigt: das Hier und Jetzt. 

Dementsprechend zeigen die ersten Pressestimmen bisher gemischte Gefühle:

"Die Szene offenbart das eigentliche Problem des Films. Der interessiert sich nämlich vor allem dafür, das allseits bekannte, langsam auserzählte Narrativ des Berliner Nachtlebens einfach noch ein weiteres Mal aufzurollen. Da sind sie wieder, die Verklärung und der Mythos. Die wilden 90er in Mitte! So frei, jaja, so lebendig. Wird man ja wohl irgendwie abgreifen können, diese Lebendigkeit. Wird schon auf den eigenen Film abstrahlen. [...] 

Formal fällt Berlin Bouncer auch nichts ein. Wie ein Beitrag aus einem öffentlich-rechtlichen Kulturmagazin sieht er aus. Nur eben länger. Fast so lang wie einmal Schlange stehen am Wriezener Bahnhof. Da ist die Zeit aber besser investiert, denn Berlin Bouncer ist leider nur ein ganz dünnes Süppchen von einem Film, der nur deswegen nicht vollends absäuft, weil ihm mit Baldwin, Marquardt und Künster eben drei interessante Typen zur Verfügung stehen, denen man gerne zuhört."

- Christian Blumberg / dasfilter.com

"Man sollte hier jedoch keine allzu tiefen Einblicke in die Türsteherszene [...] erwarten. Stattdessen wirft der Film einen stark nostalgischen Blick auf einen langsam verschwindenden Teil des vor allem in den ersten Jahren nach dem Mauerfall so wild-legendären Berliner Nachtlebens."

- Michael Meyns / filmstarts.de

"[Der Film] handelt davon, dass im Berlin des Jahres 2019 die meisten Orte verschwunden sind, an denen das wilde Leben der unmittelbaren Nachwendezeit sich einstmals abgespielt hat; wo früher Clubs waren, stehen nun teure Townhouses, Flagship-Stores und Bioläden.

Das ist freilich alles soweit bekannt, und je länger man den – fraglos schön fotografierten und gut moderierten – Gesprächen mit den drei älteren Männern zusieht, desto stärker würde man sich doch vielleicht wünschen, jenseits des nostalgischen Blicks auf eine versunkene Welt auch eine Idee davon zu bekommen, wie es sich im Berlin der Gegenwart feiert und lebt."

- Jens Balzer / zeit.de

"Berlin Bouncer" feiert seine Premiere während der Berlinale und ist dort nochmal am 16.02.19 zu sehen. Der offizielle Kinostart folgt am 16.04.19. Für den Soundtrack zeigen sich Basti Schwarz (Tiefschwarz) und Isolation Berlin verantwortlich.

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