Best of 2014: Die Hellseher

Warum Jahresbestenlisten am Anfang des Jahres nerven

Es gehört längst zum guten Ton jedes Musikblogs, am Ende eines Jahres die besten Alben zu küren. Das ist auch gut und richtig so. Schließlich kann man am Ende eines Jahres die Spreu vom Weizen trennen. Was allerdings zunehmend nervt: wenn bereits am Anfang des Jahres die besten kommenden Platten genannt werden, ohne auch nur einen Ton davon gehört zu haben.

Kaum sind die letzten Jahresrückblicke 2013 in den Tiefen des Netzes verschwunden, tauchen auf Twitter oder Facebook schon die Bestenlisten für 2014 auf. Scheinbar verfügen manche Musikredakteure über hellseherische Fähigkeiten, so dass sie jetzt schon wissen, was uns das neue Jahr bringen wird. Doch was sie jetzt wissen ist höchstens ein Bruchteil dessen, was uns alleine im Januar musikalisch erwartet. Der Rest ist Kaffeesatzleserei oder Hysterie. So schreibt der NME jetzt schon über ein Album, das erst im September erscheinen wird. Vielleicht. Warum? Was bringt es, darüber zu fantasieren, wenn man noch gar keine Musik hören kann?

Beyoncé hat im Dezember bewiesen, dass man von einem auf den anderen Tag ein Album veröffentlichen und so alle Jahresbestenlisten komplett durcheinanderwirbeln kann. Ihrem erfolgreichen Beispiel dürften Künstler künftig verstärkt folgen, schließlich gab es im Vorfeld keine Leaks, da niemand mit einem neuen Album gerechnet hatte. Der Überraschungsmoment gab ihr die komplette Kontrolle über ihr Werk - und einen heftigen Medienaufschlag. Und sie verschonte auf diese Weise ihre Fans von einem nervtötenden Hype um nichtssagende 10-sekündige Soundschnipsel, wie z.B. bei Daft Punk oder Lady Gaga im vergangenen Jahr. Schon alleine dafür müssen wir ihr dankbar sein. Auch sie hätte uns fünf Monate lang mit immer neuen Teasern und Videoschnipseln quälen können.

Außerdem zeigt sich, dass viele der kurzlebigen Trends, die im Netz gerne mal ausgerufen werden, heute kaum mehr einen Monat überdauern. Wer erinnert sich noch an Azealia Banks, die Anfang 2012 aufgrund eines einzigen genialen Tracks als nächstes großes Ding ausgerufen wurde und seitdem rein gar nichts mehr auf die Reihe gekriegt hat? Oder an ihre Kollegin Angel Haze, deren Album nach dem großen Hype um ihre Person kaum mehr jemanden interessierte, nicht mal ihre Plattenfirma?

Musik braucht Zeit und vor allem gute Musik wächst erst mit der Zeit. Den wahren Wert von Musik erkennt man immer erst im Rückblick. Auch unsere Jahresbestenliste sah am Ende des Jahres ganz anders aus als mittendrin und manches Album, das im ersten Moment gar nicht so gut weg kam, landete dann doch auf den vorderen Plätzen. Genau deshalb lohnt es sich, am Ende eines Jahres die Hypemaschine kurz zu stoppen und nochmal genau hinzuhören, was wirklich hängen geblieben ist und was sich so schnell verflüchtigt hat, wie es gekommen ist.

Deshalb beteiligen wir uns nicht weiter an der Spekulation, was uns 2014 bringen wird, sondern lassen uns einfach überraschen. Und feiern die Feste so, wie sie fallen: also dann, wenn ein neues Album oder ein neuer Track uns umhaut. Das sind für uns die Momente, für die wir das alles machen.

Aber keine Sorge: unsere Jahresbestenliste 2014 werdet ihr sicher auch noch zu lesen bekommen. Aber frühestens Ende Dezember 2014. Keine Sekunde früher. Versprochen!

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