TONSPION TIPP

Bishop Briggs über ihre musikalischen Wurzeln und ihr Debütalbum

"Ich kann nur hoffen, dass sich die Leute beim Hören der Songs weniger allein fühlen."

Am Anfang war der Megahype, jetzt lieferte Sarah Grace McLaughlin alias Bishop Briggs stark ab. Wir sprechen mit ihr über Debüt "Church of Scars" und was das mit japanischen Karaokebars, innerer Stärke und offensichtlicher Verletzlichkeit zu tun hat.

Stilistische Vielfalt, eine starke Stimme und einfach gute Popmusik: Bishop Briggs hat mit Pink - die ihren Viral Hit "River" jüngst bei einem Konzert in Berlin coverte - eine übergroße Verehrerin. Wir sprechen mit ihr über ihre Globetrotter-Leben, die Verbindung zu Karaoke und ihr starkes Debütalbum "Church of Scars".

Hey Sarah, wie waren denn die letzten Tage, wurde es spannender und spannender je näher das Releasedatum rückte?

Es war entweder Aufregung oder extreme Angst – nichts dazwischen.

Wann hat das mit dir und der Musik eigentlich so wirklich angefangen?

Seitdem ich denken kann, hab ich eine Leidenschaft für Musik gehabt. Aber so richtig angefangen hat es, als ich nach Japan gezogen bin. Dank meiner Eltern hatte ich das Glück da zu leben – mein Vater ist Unternehmer und arbeitete zu der Zeit da. Also Wir zogen dahin, als ich vier war.

Und dort kamst du dann zum ersten Mal mit Musik in Berührung...

Genau, dort wuchs ich dann mit Karaoke auf, das ist, wie man ja weiß sehr sehr groß da – einfach nach der Schule in eine Karaoke-Bar zu gehen. Der Lieblingssong von meinem Dad ist übrigens Frank Sinatras „My Way“...

Und jetzt ist es auch deins...

GENAU! Und irgendwann wurde es dann auch mein Wunsch sowas zu kreieren, Musik zu Schaffen zu der man dann vielleicht eines Tages singen kann.

Dann kommen wir jetzt mal dazu. Bei dir ging alles superschnell: HypeMachine #1, Spotify Viral Charts, Alternative Charts...war es schwer das alles gut zu verarbeiten?

Das erste, das ich sagen will: Ich war so unfassbar aufgeregt und dankbar. Ich hab mir damals versucht nicht so viele Gedanken darüber zu machen, und dadurch vielleicht schlussendlich auch Angst zu bekommen. Ich war super happy, aber eine Sache, die sich verändert hat: Jedes mal wenn ich angefangen hab zu schreiben, schalte ich mittlerweile mein Telefon aus. Ich schotte mich ab, keine E-Mails, kein Twitter oder Instagram – nichts von außen, dass mich irgendwie daran denken lässt, dass die Leute irgendwas von mir erwarten, nicht was Druck aufbauen könnte.

George Ezra hat das Ganze so gelöst, indem er mit dem Zug durch Europa gefahren ist...

Ich liebe George Ezra, diese Stimme!

In „Hollowed Ground“ singst du „my heart is a Church of Scars“...der Titel deines Albums. Darin steckt schon eine leichte Tendenz, in welche Richtung die Songs textlich gehen. Und es ist eine Art Selbstoffenbarung: Ist es seltsam solch persönliche Geschichten mit so vielen Leuten zu teilen?

Ich glaube der Schlüssel ist, wenn du schreibst, dann bist du ja irgendwie der Überzeugung, dass das Zeug eh niemand hören wird. Und bei sowas, wenn wir zum Beispiel miteinander reden, dann merke ich, dass es doch der Fall ist...

Und dann kommt so langsam die Angst...

Ja, ja...erinnerst du dich noch als ich dir gesagt hab, dass ich extreme Angst hatte? Ich glaube es ist einfach wichtig beim Schreiben authentisch zu bleiben, kreativ zu bleiben, und wenn es dann dazu kommt das andere das hören, kann ich nur hoffen, dass sich Leute durch die Musik weniger allein fühlen und es sie vielleicht sogar anspornt selbst, in welcher Form auch immer, kreativ zu werden.

Und für mich sind die deepen Beats und dieser Trapeinfluss sowas wie der Gegenpart zu den doch sehr intimen und persönlichen Lyrics, um vielleicht sogar eine Art Schutzschild aufzubauen, einen Kontrast aus Verletzlichkeit und Stärke...

Oh, danke schön. Es macht mich so glücklich, das zu hören. Es ist so wichtig für mich, dass sich die Texte auch für andere zutiefst persönlich anfühlen. Und ich hoffe je weiter ich mich als Mensch entwickle und auch als Songschreiberin, dass ich diese Mauern irgendwann niederreiße, egal ob metaphorischer oder poetischer Natur, und dass meine Texte dadurch direkter und noch persönlicher werden. Und immer wenn man darüber nachdenkt produktionsmäßig Elemente hinzuzufügen, muss es dann doch in der Art und Weise passieren, dass es sich noch immer nach einem selbst anhört.

Also warst du selbst auch ein großer Teil dieses ganzen Produktionsprozesses der Platte?

Natürlich war ich auch ein Teil davon. Aber mein Fleisch und Blut, die Sache, die mir besonders am Herzen lag und in die ich meine ganze Kraft reingesteckt hab, waren die Lyrics und natürlich die Melodien dazu.

Sarah, danke für deine Zeit. Nochmals Glückwunsch zu der starken Platte und wir hoffen doch, dass du damit bald auch nach Europa und Deutschland kommen wirst.

Das hoffe ich auch, wir arbeiten dran und es wird dann sicherlich...hoffentlich....höchstwahrscheinlich bald passieren.

Pink covert "River" von Bishop Briggs bei ihrem Konzert in der Waldbühne Berlin

Empfohlene Themen

Portugal. The Man über Einflüsse, Erfolge und Momentum

Portugal. The Man über Einflüsse, Erfolge und Momentum

Das Leben nach dem Hit
Portugal. The Man gehören spätestens seit dem vergangenen Jahr mit zu den spannendsten Bands der Stunde. Im Interview berichtet Bassist Zach Carothers über die Ursprünge und Entwicklung der Band, sowie die Entstehung ihres Welthits "Feel It Still".
HAEVN

HAEVN über himmlische Momente und glückliche Fügungen

Das holländische Electropop-Duo HAEVN und sein Debütalbum "Eyes Closed"
Dass Marijn van der Meer und Jorrit Kleijnen alias HAEVN vor drei Jahren zusammenfanden, war nicht nur ein Zu- sondern auch ein Glücksfall. Im Gespräch mit Tonspion sprechen sie über ihr Debütalbum "Eyes Closed".

Aktuelles Album

Bishop Briggs – Church Of Scars

Bishop Briggs - Church Of Scars

Artist: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Nach ihrem pumpenden Breakout-Track „River“ erscheint nun Bishop Briggs langersehntes Debüt mit dem bemerkenswerten Titel „Church of Scars“: In ihrer musikalischen Kirche bringt sie Gothic-Gospel und zeitgenössischen Soul zum Klingen.