"Blogs sind das moderne A&R!" - Interview mit Jason Grishkoff (Submithub/Indieshuffle)

Neues Promotool für Musiker

Submithub ist eine neue Plattform, auf der Musiker und Bands ihre Songs an Blogs und Labels weltweit versenden können. Für ein "Porto" von 1 Dollar pro Song bekommt man ein individuelles Feedback und den Nachweis, dass die eigene Musik auch tatsächlich gehört wurde. Wir haben mit Gründer Jason Grishkoff über sein Projekt gesprochen.

Submithub Screenshot
Submithub erleichtert Blogs, Labels und Musikern das Leben

Was ist Submithub und seit wann gibt es die Plattform?

Submithub hilft Blogs dabei, den Prozess rund um die Einsendungen von Musik zu optimieren und Musikern/Labels/Promotern, um mit diesen Blogs in Kontakt zu treten. Ich habe letztes Jahr damit angefangen, um ein riesiges Problem bei unserem eigenen Blog Indie Shuffle zu lösen. Wir haben dort per Mail fast 300 Zusendungen jeden Tag bekommen und haben letztlich aufgegeben überhaupt noch eine Mail zu öffnen. Und das bedeutete, dass wir jede Menge großartige Musik verpassten. Deshalb habe ich mir überlegt, wie man diesen Prozess für alle Beteiligten vereinfachen kann.

Wir bekommen auch schon fast 100 Einsendungen am Tag über Submithub. Wie habt ihr so viele Bands in so kurzer Zeit davon überzeugt, dass sie für ihre Einsendungen an Blogs eine Art Porto bezahlen?

Ich habe ihnen einfach gesagt, dass sie, wenn sie uns Musik schicken möchten, das nur noch über Submithub tun können. Das Beste: wir bekommen kaum noch Mails. Jede Einsendung kommt nur noch an einen Ort (Submithub), was es uns erheblich erleichtert, die ganze Musik auch zu hören.

Die meisten Künstler sind auch nur ganz normale User und keine Marketingspezialisten. Was ist die wichtigste Lektion, die Bands für ihre Online Promotion lernen müssen?

Ich glaube, manche Künstler suchen nach einer Art Glückstreffer. Das heißt, sie hoffen, dass wenn sie in einem Blog gefeatured werden, ihre Playzahlen raketenartig nach oben gehen und sie berühmt werden. Aber Blogs sind nur ein Teil des Puzzles: sie sind wirklich hilfreich als Startrampe und können viel dazu beitragen, eine Reputation aufzubauen. Wenn erstmal ein paar Blogs ihre Daumen nach oben gemacht haben, wird es viel einfacher sein, mit deiner Musik hausieren zu gehen bei den Spotify Playlisters oder den Labels. Promoter verstehen das, unabhängige Künstler nicht immer sofort.

Auch auf Submithub können wir nur einen kleinen Teil der Einsendungen redaktionell berücksichtigen. Wie gehen Bands und Künstler mit Absagen um?

Oh, gute Frage! Einige von ihnen haben damit zu kämpfen. Andere lernen davon und nehmen das Feedback auf und arbeiten damit, um besser zu werden. Es kommt wirklich auf die einzelne Person an, aber ich nehme an, dass die meisten erfolgreichen Künstler da draußen auch zunächst auf viel Ablehnung gestoßen sind und daran gewachsen sind. Diejenigen, die damit nicht umgehen können, sind vielleicht nicht dafür gemacht, Künstler zu sein.

Immer mehr Künstler veröffentlichen ihre Songs selbst, andere wollen lieber mit einem Label zusammen arbeiten, das sie mit Business-Erfahrung unterstützen kann. Sprecht ihr auch schon mit Labels? Wie ist das Feedback?

Die Labels lieben Submithub! Bevor es uns gab, mussten sie oft teure Promoter anstellen, um sich um ihre digitale Promotion zu kümmern und es war meistens sehr schwer, ihre Leistung zu bewerten. Aber mit Submithub können sie diesen Prozess direkt „in-house“ erledigen, Kosten sparen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die richtigen Leute ihre Musik anhören.

Auf der anderen Seite sind auch Labels oft die Empfänger einer überwältigenden Menge ungefragt eingesendeter Mails mit Musik, deshalb haben wir Submithub auch für Labels gestartet. Künstler, die nach Unterstützung suchen, können Labels direkt über Submithub erreichen.

Warum sind Musikblogs immer noch wichtig für das Musikbusiness?

Wir sind das moderne A&R! (Anm. Artist & Repertoire ist die Abteilung, die bei einem Label für die Entdeckung und den Aufbau neuer Talente zuständig ist). Die über 130 Blogs auf Submithub sichten täglich tausende von Einsendungen und entdecken dabei die besten Talente. Labels und Verlage können dann in den Musikblogs beobachten, auf welche Künstler sie ihre Aufmerksamkeit richten sollten. Also geht es nicht unbedingt darum, dass ein Musikblog dich über Nacht berühmt macht, sondern dafür sorgt, dass die richtigen paar Ohren deine Musik hören, weil genau diese Leute sich dafür interessieren.

Kann sich jeder Blog für die Teilnahme an Submithub bewerben? Wie trefft ihr die Auswahl?

Aktuell verlangen wir, dass ein Blog mindestens 500 Fans auf Facebook hat und wir schauen darüber hinaus auch auf die Qualität ihrer Inhalte und das Level ihres Engagements auf Social Media. Ich würde sagen, dass wir derzeit rund 20 Prozent aller Bewerber annehmen. 

Wenn sie dabei sind, wird’s erstmal komplizierter. Wir haben gelernt, dass Blogger eben auch nur Menschen sind, und wir sind natürlich auch selbst Blogger. Es ist also schwer, sie mit Druck dazu zu zwingen, sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten. Bloggen sollte eine Leidenschaft sein. Wir achten also darauf, wer das System nur ausnutzen will: Blogs, die Geld verlangen, Blogs, die nur copy/paste Feedback geben oder Blogs die ihre Zusagen nicht einhalten werden ausgefiltert. Wenn das alles gut läuft, sind alle Seiten am Ende zufrieden.

Jason Grishkoff ist Gründer von Submithub.com und Indie Shuffle. Zuvor arbeitete er drei Jahre bei Google.

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